Cochrane-Review zu Ginkgo für die Gedächtnisleistung
Trotz breiter Anwendung fehlte bislang eine systematische Gesamtschau zur Wirksamkeit von Ginkgo biloba. Ein neuer Cochrane-Review schließt diese Lücke – mit insgesamt eher ernüchternden Ergebnissen.

Viele Menschen nehmen Ginkgo-biloba-Präparate in der Hoffnung ein, ihr Gedächtnis zu stabilisieren. Ob die pflanzlichen Mittel bei leichter kognitiver Störung oder Demenz tatsächlich helfen, blieb trotz zahlreicher Studien lange unklar.
Um dies zu ändern, erstellte eine Arbeitsgruppe um Lisa Wieland (Georgetown University Medical Center, Washington DC) einen entsprechenden Cochrane-Review. Für die systematische Übersichtsarbeit analysierte das Autor:innenteam 82 randomisiert-kontrollierte Studien, wovon allerdings nur vier methodisch als einwandfrei galten.
Teilnehmende waren insgesamt 10.613 Erwachsene mit subjektiven kognitiven Beschwerden, leichter kognitiver Störung (Mild Cognitive Impairment, MCI), Demenz oder mit kognitiven Problemen bei Multipler Sklerose. (Ergebnisse für Personen mit subjektiven kognitiven Beschwerden oder kognitiven Einschränkungen bei Multipler Sklerose werden in diesem Beitrag nicht näher dargestellt).
MCI: Wahrscheinlich kein klinisch relevanter Effekt
Für Menschen mit leichter kognitiver Störung ergibt sich ein konsistentes Bild: Ginkgo biloba bewirkt im Vergleich mit Placebo nach sechs Monaten wahrscheinlich keinen relevanten Veränderungen von klinischem Gesamteindruck, Kognition oder Alltagsfunktionen – für diese Einschätzungen liegt die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz jeweils im mittleren Bereich.
Bei Demenz allenfalls kleine Vorteile
Anders fiel das Bild bei manifester Demenz aus. Nach sechs Monaten könnten sich – im Vergleich zu Placebo – gewisse Vorteile für mehrere Endpunkte ergeben:
- Der klinische Gesamteindruck, erhoben mit einer Likert-Skala von 1 bis 7, verbessert sich eventuell geringfügig (Standardisierte mittlere Differenz SMD −0.55, 95% Konfidenzintervall −0.89 bis −0.21; 5 Studien; 1.359 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
- Die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung, gemessen mit dem Syndrom-Kurz-Test, verbessert sich möglicherweise (SMD −0.47, 95% CI −0.88 bis −0.06; 9 Studien; 2.801 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
- Auch für Alltagsfunktionen, bewertet mit der Activities of daily living (ADL) International Scale, zeigt sich vielleicht ein kleiner Vorteil (SMD −0.32, 95% CI −0.59 bis −0.05; 8 Studien; 2.571 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch erhebliche methodische Unsicherheiten. Die positiv anmutenden Effekte bei Personen mit Demenz sollten daher durchaus mit einiger Vorsicht betrachtet werden.
Ginkgo: Sicherheit insgesamt unauffällig
Hinweise auf ein relevantes Schadenspotenzial durch die Ginkgomittel ergaben sich auf Basis der vorhandenen Daten weder bei MCI noch bei Demenz.
Methodische Einschränkungen, künftiger Forschungsbedarf
Das Autor:innen-Team des Cochrane-Review sieht weiterhin erheblichen Forschungsbedarf. Besonders bei Demenz bleibt etwa unklar, welche Personengruppen möglicherweise von Ginkgo biloba profitieren könnten. Auch ist derzeit nicht bestimmbar, ob bestimmte Präparate oder Dosierungen wirksamer sind als andere.
Zudem liefen viele Studien nur über sechs Monate. Künftige Untersuchungen sollten daher methodisch robuster sein, Langzeitdaten zu Wirksamkeit und Sicherheit systematisch berichten. Außerdem sollen sie Ginkgo auch als Zusatz zur heutigen Standardtherapie analysieren.

Cochrane Österreich ist die nationale Vertretung des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane, zu dem sich Gesundheitsfachleute aus über 130 Ländern zusammengeschlossen haben, um zuverlässige und unabhängige Evidenzsynthesen bereitzustellen. Cochrane Österreich wird vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gefördert. Mehr Infos und Newsletter: www.cochrane.at
Wieland LS, Ludeman E, Chi Y, Feinberg TM, Chen IH, Chen KH, Zhu Y, Wolverson E, Amri H. Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia. Cochrane Database Syst Rev. 2026 Feb 5;2(2):CD013661. doi: 10.1002/14651858.CD013661.pub2. PMID: 41641880; PMCID: PMC12875036.
