4. Mai 2026Hospitalisierte, Betagte und Vorerkrankte gefährdet

RSV-Infektion erhöht das kardiovaskuläre Risiko langfristig

Eine Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) erhöht nicht nur kurzfristig das kardiovaskuläre Risiko, sondern beeinträchtigt auch langfristig die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Ältere Menschen haben nach einer RSV-Infektion nicht nur ein erhöhtes Risiko für respiratorische Komplikationen, sondern
Azeemud/peopleimages.com/stock.adobe.com

RSV-Infektionen verursachen bei älteren Menschen eine erhebliche Krankheitslast und höhere Sterblichkeit, besonders bei bestehenden Vorerkrankungen. Atemwegskomplikationen führen zu Morbidität, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen. Zudem steigt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse vorübergehend an. Bisherige Studien konzentrierten sich auf die akute Phase nach der Infektion. Langfristige Folgen sind bislang wenig erforscht.

Ein Forscherteam um Dr. Anders Hviid vom Staatlichen Serum Institut in Kopenhagen untersuchte das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb eines Jahres nach einer laborbestätigten RSV-Infektion bei Erwachsenen ab 45 Jahren. Sie quantifizierten das absolute zusätzliche Risiko für verschiedene kardiovaskuläre Ereignisse in diesem Zeitraum.

Die Studie basiert auf dänischen Gesundheitsregister-Daten und umfasst den Zeitraum von 2019 bis 2024. Insgesamt identifizierten die Forscher 8.747 Erwachsene mit erstmalig laborbestätigter RSV-Infektion und matchten sie im Verhältnis 1:1 mit 8.747 Personen ohne Infektion. In beiden Gruppen lag der Anteil an Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen bei 11,5%. Rund 70% der Teilnehmer in der RSV-Gruppe wurden im Rahmen der Infektion hospitalisiert. Das Durchschnittsalter betrug rund 72 Jahre, knapp 58% der Teilnehmer waren Frauen.

Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu 365 Tage ab dem Indexdatum. Primäre Endpunkte waren MACE (Major Adverse Cardiovascular Events), definiert als ischämische Herzerkrankung, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz sowie ein erweiterter kombinierter Endpunkt, der zusätzlich Arrhythmien, venöse Thromboembolien und entzündliche Herzerkrankungen umfasste.

Prävention für ältere und vorerkrankte Menschen wichtig

Im Verlauf eines Jahres traten bei den RSV-Infizierten deutlich mehr kardiovaskuläre Ereignisse auf als in der Kontrollgruppe (655 vs. 257). Dies entspricht einer absoluten Risikodifferenz von 4,69 Prozentpunkten zugunsten der Kontrollgruppe. Innerhalb eines Jahres kam es zu rund fünf zusätzlichen kardiovaskulären Ereignissen pro 100 Personen nach RSV-Infektion. Auch für MACE zeigte sich ein signifikanter Anstieg mit einer Risikodifferenz von 2,37 Prozentpunkten.

Der größte Teil des zusätzlichen Risikos manifestierte sich bereits in den ersten 30 Tagen nach der Infektion, nahm jedoch über das gesamte Jahr weiter zu. Besonders ausgeprägt war das Risiko bei hospitalisierten und sehr alten Patienten sowie bei vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung oder Diabetes. In diesen Gruppen lagen die absoluten Risikodifferenzen teils deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Bei Personen ohne Spitalbehandlung zeigte sich hingegen kein signifikanter Anstieg des kardiovaskulären Risikos.

Die Autoren betonen die Bedeutung von RSV als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und liefern wichtige Argumente für präventive Maßnahmen, insbesondere Impfstrategien, bei älteren und vorerkrankten Bevölkerungsgruppen.

Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum pneumo