Atopische Dermatitis: Bakteriotherapie als neuer Ansatz?
Seit über drei Jahrzehnten prägt Prof. Richard Gallo von der Universität Kalifornien, San Diego, die Forschung zu antimikrobiellen Peptiden (AMP) und ihrer Rolle für die Haut. Auf der Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) erläuterte er, was wir über die Interaktion zwischen Mikroben und dem Hautimmunsystem wissen und wie wir dies bald zur Therapie chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen nutzen könnten.

Lange galt das Verhältnis zwischen Haut und Mikroorganismen als primär feindlich, fasste Gallo zusammen: hier der Wirt, dort der potenzielle Erreger. Doch dieses Bild ist überholt, betonte er: "Die Haut ist ein hochaktives Ökosystem, in dem Mikroben und Immunsystem eng miteinander verflochten sind."
Das beginnt bei der Anatomie. Die Haut interagiert ideal mit Mikroorganismen. Ihre große Oberfläche beherbergt viele Mikroben. «Wenn man die Haarfollikel mitrechnet, ist die effektive Oberfläche der Haut mindestens so groß wie die des Darms – wahrscheinlich sogar größer», erklärte der Forscher. Die Haarfollikel "sammeln" außerdem geradezu Mikroben: In ihrer Tiefe sind sie hundertfach konzentriert im Vergleich zur Oberfläche und durch Lipide geschützt. Im Gegensatz zum Darm, der Mikroben durch eine Schleimschicht fernhält, "versucht" das die Haut nicht einmal, sondern sie zieht Mikroorganismen an.
