
Risikoadaptiertes Screening für ehemalige Raucher
Die aktuellen Leitlinien folgen weitgehend den Empfehlungen, Hochrisikopersonen ab 50 Jahre in ein strukturiertes Lungenkrebs-Screeningprogramm einzuschließen. Ein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat nun eine neue, risikoadaptierte Strategie für den Start des Screenings bei ehemaligen starken Rauchern entwickelt. Das Ziel war, den Beginn der Früherkennung nicht pauschal festzulegen, sondern anhand der tatsächlichen Risikoreduktion zu bestimmen.

86.000 Daten ausgewertet
Die populationsbasierte Kohortenstudie basierte auf Daten der UK-Biobank. Sie umfasst mehr als 86.000 aktuelle oder ehemalige stark rauchende Menschen. Sie alle hatten eine Rauchhistorie von mindestens 20 Packungsjahren und waren zu Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt (mittleres Alter [SD]: 60,8 [5,3] Jahre; Altersspanne: 50–72 Jahre).
Das Forschungsteam teilte die ehemaligen Rauchenden in vier Gruppen – abhängig davon, wie lange der Rauchstopp zurücklag (bis 5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–15 Jahre, mehr als 15 Jahre). Während der Nachbeobachtungszeit traten 2.109 Lungenkrebsfälle (2,5%) auf.
Mithilfe multivariabler Modelle wurde untersucht, wie Alter, kumulative Tabakexposition und Dauer der Rauchabstinenz gemeinsam das individuelle Erkrankungsrisiko innerhalb von zehn Jahren beeinflussen.
Die sogenannte „Risikoverzögerungszeit“ beschreibt dabei die Zeitspanne, um die sich ein vergleichbares Erkrankungsrisiko durch einen protektiven Faktor – in diesem Fall den Rauchstopp – nach hinten verschiebt.
Risikoverzögerungszeit (Durchschnittswerte)
- ≤ 5 Jahre Rauchstopp: Risikoverzögerung 2,7 Jahre;
Beginn des Screenings mit 53 Jahren - 6–10 Jahre Rauchstopp: Risikoverzögerung 6,2 Jahre;
Beginn des Screenings mit 56 Jahren - 11–15 Jahre Rauchstopp: Risikoverzögerung 10,4 Jahre;
Beginn des Screenings mit 60 Jahren - 15 Jahre Rauchstopp: Risikoverzögerung 17,1 Jahre;
Beginn des Screenings mit 67 Jahren
Einheitliches Einstiegsalter nicht sinnvoll
Die Ergebnisse zeigen, dass der Rauchstopp mit einer substanziellen und quantifizierbaren Verschiebung des Risikos einhergeht. Mit zunehmender Dauer der Abstinenz verlängert sich die „Risikoverzögerungszeit“ deutlich. Das schlägt sich unmittelbar in unterschiedlichen optimalen Zeitpunkten für den Beginn eines Screenings bei ehemaligen Rauchern nieder.
„Ehemalige starke Raucher könnten – abhängig von der Dauer des Rauchstopps – 3 bis 17 Jahre später gescreent werden als aktuelle Raucher, um vergleichbare Risikoniveaus abzubilden“, schreiben die Autorinnen und Autoren.
Gleichzeitig machen die Daten deutlich, dass ein langer Rauchstopp keineswegs mit einem vernachlässigbaren Risiko gleichzusetzen ist. Vielmehr zeigen die Analysen, dass auch Personen mit mehr als 15 Jahren Abstinenz weiterhin ein relevantes Erkrankungsrisiko tragen. Sie könnten daher potenziell von einem Screening profitieren. Vor diesem Hintergrund erscheint ein einheitliches Einstiegsalter nicht sinnvoll.
Die Forschenden nennen als Einschränkungen u.a., dass Teile der Analyse auf selbstberichteten Angaben zum Rauchverhalten basieren. Auch konnten weitere potenziell relevante Risikofaktoren – etwa berufliche Expositionen oder Umweltfaktoren – nicht vollständig berücksichtigt werden. Menschen über 70 Jahre waren in der Kohorte unterrepräsentiert.
Ehemalige Raucher nicht vom Screening ausschließen
„Wichtig ist, dass diese Kohortenstudie frühere Empfehlungen stützt, ehemalige starke Raucher nicht allein aufgrund eines Rauchstopps vor 15 Jahren auszuschließen“, betonen die Forschenden. Für einen erheblichen Anteil ehemaliger starker Raucher ein Beginn des Lungenkrebs-Screenings ab einem Alter von über 50 Jahren erwogen werden.
Frick C et al., Risk-Adapted Lung Cancer Screening Starting Ages for Former Smokers. JAMA Network Open 2025; doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.51281
