Cochrane-Review: HIIT als Alternative zum Ausdauersport?
Hochintensives Intervalltraining (HIIT) verbessert offenbar die kardiorespiratorische Fitness, verglichen mit keinem Training oder moderatem Ausdauertraining.

Weltweit erfüllt fast ein Drittel der Erwachsenen die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation nicht. Diese Inaktivität trägt zum Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei – und körperliches Training könnte Abhilfe schaffen.
Jedoch: Zeitmangel gilt als häufiges Hindernis für körperliche Aktivität. Hochintensives Intervalltraining (HIIT) wird deshalb als zeitsparende Trainingsform diskutiert. Doch ist es eine wirksame Alternative zu Ausdauertraining mit moderater Intensität (MICT)?
HIIT kombiniert kurze Phasen intensiver Belastung mit Erholungsphasen. Eine Einheit dauert typischerweise etwa 20 Minuten und ist damit kürzer als moderates Ausdauertraining mit 30 bis 45 Minuten.
Wirksamkeit von HIIT systematisch untersucht
Ein im März 2026 veröffentlichter Cochrane-Review mit dem Titel „High‐intensity interval training for reducing cardiometabolic syndrome in healthy but sedentary populations” untersuchte Nutzen und Risiken von HIIT bei gesunden, aber körperlich inaktiven Erwachsenen. Erstellt wurde der Review von Juliette Strauss (Liverpool John Moores University) und ihrem neunköpfigen Team.
In die systematische Übersichtsarbeit wurden 58 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 2075 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 64 Jahren aus 20 Ländern eingeschlossen. Die Stichprobengrößen lagen zwischen 14 und 90 Personen, die Interventionen dauerten zwischen vier und 16 Wochen. Als Trainingsgeräte wurden u.a. Fahrradergometer und Laufbänder eingesetzt.
Interventionen und Vergleichsgruppen
Die Ergebnisse aus den Interventionsgruppen wurden mit jenen aus Kontrollgruppen verglichen. Diese erhielten entweder gar keine Trainingsintervention oder sie führten ein Ausdauertraining (ohne Intervalle) durch.
Analysierte Endpunkte waren die kardiorespiratorische Fitness (gemessen in Form von VO₂max), systolischer Blutdruck, Taillenumfang, Taille-Hüft-Verhältnis und Triglyzeride. Damit liegen ausschließlich Daten zu Surrogatendpunkten vor.
Ergebnisse im Überblick
Im Vergleich zu keiner Trainingsintervention verbessert HIIT die kardiorespiratorische Fitness wahrscheinlich und reduziert den Taillenumfang. Für das Taille-Hüft-Verhältnis zeigt sich wahrscheinlich kein relevanter Unterschied, und auch für Triglyzeride deutet sich an, dass es möglicherweise keinen bedeutsamen Unterschied gibt. Der Effekt auf den systolischen Blutdruck lässt sich nicht einschätzen.
Im Vergleich zu moderatem Ausdauertraining verbessert HIIT die kardiorespiratorische Fitness möglicherweise geringfügig. Bei Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis gibt es wahrscheinlich keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden Interventionen – dies könnte auch für den systolischen Blutdruck und Triglyzeride gelten.
Hochintensives Intervalltraining (HIIT) im Vergleich
HIIT vs. kein Training
- kardiorespiratorische Fitness: wahrscheinlich verbessert um durchschnittlich 5,98 mL/min/kg (95%-Konfidenzintervall 4,66 bis 7,30; 16 RCTs, 517 Teilnehmende; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Taillenumfang: reduziert um durchschnittlich 3,56 cm (95%-KI −6,14 bis −0,98; 8 RCTs, 270 Teilnehmende; hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Taille-Hüft-Verhältnis: wahrscheinlich kein relevanter Unterschied (mittlere Differenz [MD] −0,01; 95%-KI −0,03 bis 0,01; 6 RCTs, 224 Teilnehmende; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Triglyzeride: möglicherweise kein relevanter Effekt (standardisierte mittlere Differenz SMD −0,22; 95%-KI −0,62 bis 0,17; 9 RCTs, 262 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- systolischer Blutdruck: keine robuste Aussage möglich (MD −5,22 mmHg; 95%-KI −12,27 bis 1,84; 7 RCTs, 215 Teilnehmende; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
HIIT vs. Ausdauertraining mit moderater Intensität (MICT)
- kardiorespiratorische Fitness: möglicherweise ein wenig verbessert um durchschnittlich 1,39 mL/min/kg (95%-KI 0,44 bis 2,34; 37 RCTs, 1115 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Taillenumfang: wahrscheinlich kein bedeutsamer Unterschied (MD 0,06 cm; 95%-KI −1,49 bis 1,62; 15 RCTs, 407 Teilnehmende; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Taille-Hüft-Verhältnis: wahrscheinlich kein bedeutsamer Unterschied (MD 0,00; 95%-KI −0,01 bis 0,02; 5 RCTs, 155 Teilnehmende; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- Triglyzeride: möglicherweise kein bedeutsamer Unterschied (SMD 0,00; 95%-KI −0,28 bis 0,27; 18 RCTs, 526 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
- systolischer Blutdruck: möglicherweise kein bedeutsamer Unterschied (MD −0,56 mmHg; 95%-KI −3,02 bis 1,90; 18 RCTs, 515 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)
Strauss JA, Kirwan R, Ranasinghe C, Schwingshackl L, Shepherd SO, Chaplin M, Sguassero Y, Petkovic J, Villanueva G, Dwan K. High‐intensity interval training for reducing cardiometabolic syndrome in healthy but sedentary populations. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 3. Art. No.: CD013617. DOI: 10.1002/14651858.CD013617.pub2.
Offene Fragen und Fazit
Ursprünglich hatte das Forschungsteam auch vorgesehen, auch Gesamtmortalität sowie unerwünschte Ereignisse zu analysieren. Diese Endpunkte wurden in den eingeschlossenen Studien jedoch nicht berichtet. Auch zu wichtigen langfristigen Gesundheitsendpunkten wie Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko lagen keine Daten vor.
Insgesamt spricht die aktuelle Studienlage dafür, dass HIIT die kardiorespiratorische Fitness verbessert, während Aussagen zu klinisch relevanten Endpunkten derzeit nicht möglich sind. Künftige Studien sollten daher größer, methodisch hochwertiger und mit längerer Nachbeobachtung angelegt sein sowie insbesondere die Sicherheit und Umsetzbarkeit von unbeaufsichtigtem HIIT untersuchen.

Cochrane Österreich ist die nationale Vertretung des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane, zu dem sich Gesundheitsfachleute aus über 130 Ländern zusammengeschlossen haben, um zuverlässige und unabhängige Evidenzsynthesen bereitzustellen. Cochrane Österreich wird vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gefördert. Mehr Infos und Newsletter: www.cochrane.at
