1. Apr. 2026Gebrechlichkeit als Make-or-Break

Multimorbid im Alter – aber wie krank?

Mit dem Alter geht häufig Multimorbidität einher – doch ihre bloße Zahl an Diagnosen sagt wenig über die tatsächliche Krankheitslast aus, besonders bei älteren Patienten. Entscheidend ist die funktionelle Verfassung, betont Dr. Franz Haller vom Universitätsspital Basel und der Universitären Altersmedizin Felix Platter. Bei Multimorbidität zählen daher vor allem klinische Erfahrung und klare Prioritäten.

Senior grey-haired woman patient supported for nurse and walker at geriatric
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Im Alter kann die Menge an Diagnosen täuschen: „Es gibt Patienten, die über das Leben 40 Diagnosen angesammelt haben und ständig im Spital sind – und dennoch gar nicht so schwer krank sind“, berichtet Dr. Haller. Umgekehrt gibt es ältere Menschen mit nur einer Diagnose, die klinisch jedoch hochgradig vulnerabel sind. „Wenn jemand nie in die Praxis kommt und sich plötzlich vorstellt, weiss man oft schon: Da muss man genau hinschauen.“

Multimorbidität: Funktion statt Zahlen

„Je älter wir werden, desto weniger können wir uns auf das numerische Alter verlassen. Das biologische Alter zählt“, erklärt der Geriater. Die Altersmedizin unterscheidet daher zwischen robustem und gebrechlichem Altern. Zwei gleichaltrige Menschen können sich funktionell stark unterscheiden: Der eine ist ein aktiver, robuster 75-Jähriger, der andere ein gebrechlicher Patient, der sich kaum bewegt, schlecht isst und viele Medikamente nimmt.

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