12. Jän. 2026Evidenz für die Allgemeinmedizin

Was Kombinationstrainings nach einem Schlaganfall leisten

Nach einem Schlaganfall sind kardiorespiratorische Fitness und Muskelkraft oft eingeschränkt: Kombinationstrainings (Ausdauer- und Krafttraining) gelten hier als vielversprechende Gegenmittel. Bei dieser Trainingsform sind Ausdauer- und Kraftelemente kombiniert. Sie sollen die funktionellen Einschränkungen verbessern und auch im Sinne der Sekundärprävention wirken.

Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining nach Schlaganfall
Robert Kneschke/stock.adobe.com

Effektiv und sicher?

Ein aktueller Cochrane-Review hat analysiert, welche Aussagen die aktuelle Studienlage zu Nutzen und Schaden dieser Kombinationstrainings nach Schlaganfall zulässt. Die systematische Übersichtsarbeit beruht auf Daten aus 30 randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs). Die meisten Studien wurden in Hocheinkommensländern durchgeführt.

Über 1500 Teilnehmende waren eingeschlossen, im Durchschnitt knapp 64 Jahre alt. Sie waren fast immer gehfähig und befanden sich in der frühen subakuten oder chronischen Phase nach dem Schlaganfall.

Die Interventionen für die kardiorespiratorische Fitness sowie das Muskelkrafttraining bestanden überwiegend aus Geh- oder Ergometertrainings sowie Widerstandsübungen, etwa mit elastischen Bändern oder Gewichten – also eine Art Zirkeltraining. Trainiert haben die Patient:innen zwei bis fünf Mal pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen bis zu zwölf Monaten.

Personen in den Kontrollgruppen erhielten die übliche Versorgung (z. B. Standard-Reha) und teils auch nicht-sportliche Interventionen.

Und zu diesem Fazit kommt das Cochrane-Team nach Zusammenschau der Daten:* Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining für Patient:innen nach einem Schlaganfall führt möglicherweise zu kleinen Verbesserungen.

Die Programme wurden von den Teilnehmenden gut angenommen und konsequent durchgeführt. Ein Anstieg unerwünschter Ereignisse oder vermehrte Studienabbrüche durch das kombinierte Ausdauer- und Krafttraining zeigte sich nicht.

Endpunkte im Detail

Eventuell können Schlaganfall-Patient:innen ihre typischen funktionellen Einschränkungen durch das Zirkeltraining ein wenig reduzieren (standardisierte mittlere Differenz SMD 0,20; 95%-KI 0,04 bis 0,36; 13 RCTs; n = 789).

Möglicherweise kommt es zu einer leichten Verbesserung des Gleichgewichts (SMD 0,25; 95%-KI 0,11 bis 0,39; 16 Studien; n = 839). Für beide dieser Endpunkte ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz allerdings nur gering.

Die Mortalität veränderte sich durch das Kombinationstraining nicht (Risikodifferenz RD 0,00; 95%-Konfidenzintervall KI -0,02 bis 0,01; 26 RCTs; n = 1352; hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Auch bei den sekundären kardio- und zerebrovaskulären Ereignissen kristallisierte sich kein Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe heraus (RD 0,00; 95%-KI -0,02 bis 0,01; 8 RCTs; n = 684; hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Da diese Ereignisse nur selten auftreten, lässt sich kein schützender Effekt ableiten.

Größere robuste Studien notwendig

Die zusammengefassten Studienergebnisse deuten sehr vorsichtig an, dass ein kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining nach einem Schlaganfall kleine positive Effekte auf die kardiorespiratorische Fitness, die Muskelkraft und die Gehgeschwindigkeit haben könnte.

Allerdings ist hier aufgrund der sehr niedrigen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz keine solide Einordnung möglich. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von größeren und methodisch robusten Studien, um den kurz- und langfristigen Nutzen zu klären.

*) Dieser Artikel bietet nur einen ersten Einblick in die umfangreichen Ergebnisse. Alle Details finden sich im vollständigen Cochrane-Review:

Saunders DH, Carstairs SA, Cheyne JD, Fileman M, Morris J, Morton S, Wylie G, Mead GE. Combined cardiorespiratory and resistance training for people with stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 9. Art. No.: CD016002. DOI: 10.1002/14651858.CD016002

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