ÖGN: Neue Optionen in der Therapie von Gliomen
Gliome und insbesondere Gliobastome waren von den rasanten Entwicklungen, die die Onkologie in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, weitgehend ausgenommen, was sich in einer unverändert ungünstigen Prognose niederschlug. Nun sind Veränderungen absehbar und gezielte Therapien könnten vermehrt auch bei Hirntumoren zum Einsatz kommen.

Ungeachtet der Seltenheit vieler in diesen Bereich fallender Erkrankungen ist es mittlerweile gelungen, Tumorerkrankungen im zentralen Nervensystem besser zu charakterisieren. „Wir wissen mittlerweile sehr viel über die Tumor-Environment, die Interaktion zwischen den Tumorzellen, die Blut-Hirn-Schranke und so weiter“, sagt Dr. Tadeja Urbanic-Purkart von der Grazer Universitätsklinik für Neurologie. Das aktuelle und mittlerweile 5. Update des WHO Blue Book zur Klassifikation von ZNS-Tumoren hat viele Neuigkeiten ergeben und fordert eine integrierte Diagnose anhand essenzieller und wünschenswerter („desirable“) Faktoren. Viele dieser wünschenswerten Faktoren sind allerdings unbedingt für die Indikationsstellung zu gezielten Therapien erforderlich. Eine Reihe neuer Tumortypen wurde molekular definiert. Es wird zwischen diagnostischen und prognostischen Markern unterschieden. Wobei es Überschneidungen gibt. So definieren eine TERT-Promoter-Mutation oder eine EGFR-Gen-Amplifikation ein Glioblastom mit entsprechend ungünstiger Prognose – auch wenn der Tumor sonst nicht alle Charakteristika eines Glioblastoms aufweist.1
- Louis DN et al., Neuro Oncol 2021; 23(8):1231–1251
- Hegi ME et al., N Engl J Med 2005; 352(10):997–1003
- Weller M et al., Nat Rev Clin Oncol 2021; 18(3):170–186
- Hertler C et al., Eur J Cancer 2023; 189:112913
- Mellinghoff IK et al., N Engl J Med 2023; 389(7):589–601
- Padovan M et al., Eur J Cancer 2023; 191:112959