7. März 2024Sexuell übertragbare Infektionen

Wie sinnvoll sind Antibiotika zur Prävention von Geschlechtskrankheiten?

In den vergangenen Jahren ist es in Europa zu einer Zunahme bakteriell verursachter Geschlechtskrankheiten (STI) gekommen. Dies wird unter anderem mit der guten Wirksamkeit der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Zusammenhang gebracht, die offenbar wieder verstärkt zu riskanten Sexualpraktiken in Risikogruppen geführt hat. Als Ausweg wird eine PrEP mit Antibiotika kontrovers diskutiert.

Neisseria gonorrhoeae bacterium, Macro photography, Gonorrhoea is a common sexually transmitted infection caused by a type of bacteria. It usually spreads through vaginal, oral and anal sex.
nuengneng/AdobeStock

Sowohl die Prä- als auch die Postexpositionsprophylaxe (PrEP bzw. PEP) gegen eine Infektion mit HIV sind heute wissenschaftlich gut abgesichert und bewähren sich in der Praxis. Es stelle sich nun die Frage nach der Option einer prophylaktischen Antibiotika-Einnahme zur Vermeidung mit bakteriellen Geschlechtskrankheiten, so OA Dr. Wolfgang Bauer von der Wiener Univ.-Klinik für Dermatologie und Venerologie. Tatsächlich ist diese Idee nicht neu, wie Bauer ausführt, sie wurde bereits im Zweiten Weltkrieg mit Sulfathiozol an Soldaten, die Prostituierte aufsuchten, erprobt. Eines der Ergebnisse waren Sulfonamid-resistente Gonokokken. Nach dem Krieg wurde Marinesoldaten auf Landgang fallweise orales Penicillin prophylaktisch verschrieben, was die Zahl der Infektionen mit Gonokokken reduzierte. Gute Ergebnisse wurden in einer Studie mit Minocyclin als PEP erreicht, wobei die Wirksamkeit von der Resistenzlage abhängig war. Diese Strategien wurden jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht weiterverfolgt. Einer davon war der Rückgang der STI ab den 80er Jahren, sowie deren gute Behandelbarkeit.

Angesichts der aktuellen Zunahme von Syphilis-Infektionen und der Erfolge der HIV-PrEP (mit der Nebenwirkung eines abnehmenden Kondom-Gebrauchs)1 stößt der prophylaktische Einsatz von Antibiotika auf neues Interesse. Dies umso mehr, als die WHO ehrgeizige Ziele für das Management von STI ausgegeben hat. Bis 2030 sollen Infektionen mit Treponema pallidum und/oder Gonokokken um 90% reduziert werden. Dabei werden man, wie Bauer ausführt, vor allem in Risikopopulationen ansetzen müssen. Eine dieser Risikopopulationen sind Männer, die Sex mit Männern haben.

Als Substanz für PrEP und PEP ist Doxycyclin, ein bakteriostatisch wirksames Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetrazykline, im Gespräch. Es flutet rasch an und hat eine Halbwertszeit von 12 Stunden. Die Verträglichkeit ist gut, die meisten Nebenwirkungen sind reversibel. Kontraindikation besteht bei stark eingeschränkter Leberfunktion. Bauer unterstreicht, dass Doxycyclin in der Therapie von Chlamydien-Infektionen und Syphilis eingesetzt wird und bislang keine Resistenzen beobachtet wurden. Ferner findet Doxycyclin auch prophylaktische Anwendung gegen Malaria, Borrelien oder Leptospirose. Weitere Indikationen sind Akne, Rosazea oder das bullöse Pemphigoid.

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