24. Nov. 2020Medizin und ich von A bis Z

Hausärztin mit Mamafunktion

„Schreib einfach wieder mal was aus deinem ganz normalen Praxisalltag“, meint meine Chefredakteurin. Wenn das so einfach wäre! Denn was ist schon normal in Zeiten wie diesen, wenn die Assistentin überraschend gekündigt hat, die Patienten langsam dekompensieren und über allem wie ein bösartiger Flaschengeist COVID-19 schwebt?

Inhaltsverzeichnis

Q wie Quarantäne

Heuer im Sommer ist B., die beste aller Assistentinnen in Pension gegangen. Wir hatten zehn interessante, turbulente, herausfordernde und schöne Jahre miteinander. Die letzten Monate waren schwierig, da sie Angst hatte, persönlichen Kontakt zu Patienten zu haben. Also habe ich ihr das natürlich erspart. Als Arbeitgeber ist man immerhin auch dafür verantwortlich, dass sich die Arbeitnehmer wohlfühlen und auch beschützt. Glücklicherweise hat sie in der Pension die Angst vor Menschen abgelegt, wie ich auf ihren Urlaubsfotos sehen konnte.

Meine neue Assistentin hatte sich seit Mai gut eingearbeitet, sich im Sommerurlaub ordentlich erholt und wurde von mir auch sehr sorgsam behandelt. Gute Bezahlung, geregelte Arbeitszeiten, Wertschätzung, und Frau Doktor übernimmt sofort auch Aufgaben der Assistentinnen, wenn diese überlastet sind. Ich will, dass es in meiner Ordi allen gutgeht.Hat nix genützt. Sie hält den Stress nicht mehr aus und ist weg. Übrig geblieben sind ich und der Flaschengeist. Wir sitzen jetzt an manchen Tagen bis 22 Uhr in der Ordi, bis alles erledigt ist.

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Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin Medical Tribune