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Morbus Parkinson ist mehr als motorische Behinderung

Morbus Parkinson war auch in diesem Jahr eines der zentralen Themen des Kongresses der European Academy of Neurology. Unter den besten Abstracts zu Movement Disorders, die Prof. Dr. Miguel Coelho von der Universität Lissabon für die Highlight Session des Kongresses auswählte, befanden sich mehrere Arbeiten zu Epidemiologie und Non-Motor-Symptomatik der Parkinson-Krankheit.

Aktuelle epidemiologische Daten zeigen, dass die Prävalenz des Morbus Parkinson leicht gestiegen ist – zumindest in Estland. Diese Daten stammen von einer Gruppe der Universität Tartu, die eine vor 20 Jahren durchgeführte epidemiologische Studie exakt replizierte und die Ergebnisse verglich. Die Studie fand einen Anstieg der Parkinson-Prävalenz von 152/100.000 auf 314/100.000. Dabei war die Prävalenz bei Frauen signifikant höher als bei Männern (RR=1,51; p=0,00003). Zwischen ländlichen und urbanen Wohngegenden wurden keine Unterschiede gefunden. Allerdings ist das Durchschnittsalter der estnischen Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen, was auch die steigende Parkinson-Prävalenz zum Teil erklärt. Ein Anstieg der Krankheitshäufigkeit bleibt allerdings auch bestehen, wenn hinsichtlich des Alters adjustiert wird. Umgerechnet auf die Altersstruktur von vor 20 Jahren ergibt sich eine Prävalenz von 197/100.000, was nach Ansicht der Autoren einem moderaten Anstieg entspricht, für den sie vor allem verbesserte Diagnostik verantwortlich machen.1

Eine ungarische Studie untersuchte die Häufigkeit neuropsychiatrischer Symptome von Parkinson-Patienten und gelangte zu dem Ergebnis, dass jeder zweite Parkinson-Kranke unter irgendeiner Form von psychiatrischer Störung leidet, wobei Demenz die häufigste ist. In 60% der Fälle trat die neuropsychiatrische Störung innerhalb von zwei Jahren nach der Parkinson-Diagnose auf.2 Eine weitere im Rahmen des EAN 2018 vorgestellte Studie legt nahe, dass bei der Entstehung der Parkinson-Demenz auch die Blutgefäße beteiligt sind. Eine Gruppe der Universität Belgrad untersuchte in einer Kohorte von 133 Parkinson-Patienten die Assoziationen von kognitiven Störungen mit Motor-Symptomen, vaskulären Risikofaktoren und Volumen der White Matter Lesions (WML). Die Studie fand mehr Demenz bei Patienten mit ausgeprägteren Motor-Symptomen, dabei jedoch auch eine Assoziation von vaskulären Risikofaktoren nicht nur mit kognitiver Einschränkung, sondern auch mit Bradykinesie sowie Gangstörungen, gemessen mit dem PIGD (postural instability gait disorders)-Score. Nach Ansicht der Autoren hat die Assoziation von Demenzrisiko bei Morbus Parkinson und vaskulären Risikofaktoren das Potenzial, neue Ansätze in der Prävention der Parkinson-Demenz zu eröffnen.3 Die Studie zeigte auch, dass ein hohes Volumen an WML mit Demenz und Aufmerksamkeitsdefiziten assoziiert war.

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