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Zweifelhafter Nutzen präventiver Medikamente

Polymedikation bei älteren Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung ist nicht immer sinnvoll (CliniCum Literatur).

Älteren Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung werden in den letzten Lebensmonaten häufig noch Medikamente zur Krankheitsprävention verschrieben, deren Nutzen sie sehr wahrscheinlich nicht mehr erleben werden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des „Aging Research Center“ am Karolinska Institut in Stockholm.

Methode. In einer Kohortenstudie erfassten Studienautor Lucas Morin und Kollegen Daten von 151.201 Männern und Frauen über 65 Jahre (Durchschnitt: 81,3 Jahre), die in Schweden in der Zeitspanne von 2007 bis 2013 einem Krebsleiden erlegen waren. Zu den häufigsten Komorbiditäten zählten: Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Typ-2-Diabetes.

Ergebnisse. Im letzten Lebensjahr stieg die durchschnittliche Anzahl der verschriebenen Medikamente von 6,9 auf 10,1. Der Anteil der Personen, die zehn oder mehr Medikamente erhielten, erhöhte sich von 26 auf 52 Prozent. Zu den Medikamenten mit präventiver Wirkung zählen etwa Antihypertensiva, Antikoagulanzien, Statine, orale Antidiabetika und Mineralstoffsupplemente. Der Anteil der Personen, bei denen eine Medikation noch bis in den letzten Lebensmonat fortgesetzt wurde, reichte von 57 Prozent für Bisphosphonate über 65 Prozent für Statine und Vitamine bis zu über 80 Prozent für Betablocker, Insulin, Vitamin B12 und Folsäure.

Bei fast einem Viertel der Personen wurde im letzten Lebensjahr eine Medikation gegen Bluthochdruck noch neu begonnen, bei knapp fünf Prozent eine Behandlung mit Statinen. Medikamente mit präventiver Wirkung am Lebensende sind laut Autoren nicht generell ungeeignet. Einige verhinderten schwere Komplikationen wie die krebsassoziierte Thrombose oder Knochenmetastasen bei Frauen mit Brustkrebs (durch Bisphosphonate). Allerdings halte die Wirkung der Bisphosphonate nach Langzeitbehandlungen nach dem Absetzen noch für drei bis fünf Jahre an. „Die Senkung des therapeutischen ‚Ballasts‘ bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung hat nicht nur das Potenzial, unerwünschte Nebenwirkungen zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern, sondern auch die finanzielle Belastung für die Patienten einzudämmen“, schreibt Morin.

Fazit. Geeignete „Deprescribing“-Strategien sind laut Autoren erforderlich, um die Last an Medikamenten mit nur begrenztem klinischen Nutzen am Ende des Lebens zu verringern. Dieser Prozess ist zeitaufwendig und bedarf einer intensiven Kommunikation zwischen Arzt und Patient, um herauszufinden, ob Medikamente und Behandlungsmaßnahmen überhaupt noch mit den Vorstellungen übereinstimmten, die der Patient selbst habe. (Medscape 04/2019, Red)

Morin L et al. Cancer (online) 25.3.19, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30906987

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