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Roboter singt mit Demenzpatienten

Eine Testphase in einem Altersheim im deutschen Siegen hat gezeigt: Die meisten Bewohner reagieren positiv auf den Roboter „Pepper“.

Können Roboter dabei helfen, die Herausforderungen der alternden Gesellschaft zu bewältigen? Auf der „Re:publica“, Europas größter Konferenz über Digitalisierung und Gesellschaft, kam auch der Roboter selbst zu Wort.

Pepper beobachtet das Gewusel im Saal, dreht den Kopf mal nach links, mal nach rechts. Wie überall, wo der Roboter auftritt, wird er schnell zum Publikumsmagneten. Mit einer Höhe von 1,20 Meter und großen, neugierigen Augen wirkt er fast wie ein Kind. Das ist beabsichtigt, denn er soll bei älteren Pflegebedürftigen Vertrauen wecken, um Pflegekräfte zu entlasten.

Besser als ein schlechter menschlicher Pfleger?

Dr. Rainer Wieching von der Universität Siegen (rechts unten im Bild) betreut in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Kiel die Forschungsgruppe „Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege“ (AriA) und berichtet in Berlin auf der „Re:publica“, Europas größter Konferenz über Digitalisierung und Gesellschaft, von seinen Erfahrungen. „Der Erfolg von Pepper steht und fällt mit der Akzeptanz“, sagt er. Wenn der humanoide Roboter vom Band läuft, ist er eine leere Hülle. Erst die Programmierer verleihen ihm spezielle Fähigkeiten. Ein wichtiges Ziel seines Forschungsprojekts besteht darin, diese erlebbar zu machen.
Dass Roboter in Japan bereits gut akzeptiert werden, zeigt ein Video, in dem ein älteres Ehepaar mit Pepper redet, der am häuslichen Esstisch platziert und wie ein Mensch gekleidet ist. „Viele Japaner glauben, dass auch Dinge eine Seele haben. Deshalb behandeln sie Roboter wie Menschen. In Europa wäre das undenkbar“, erklärt Robotik-Forscherin Sarah Cosentino von der Waseda-Universität Tokio. Auch die pflegerische Betreuung durch Roboter ist in Japan nichts Ungewöhnliches. Als die Wochenzeitung „Zeit“ darüber berichtete, reichten die Leserkommentare von „Super Sache“ über „Besser gut von einem Roboter gepflegt als schlecht oder gar nicht von einem Pfleger“ bis zu „Nach Entlasten kommt Ersetzen“.
„Die Vorstellung, dass Roboter uns zerstören und die Weltherrschaft übernehmen, ist in Europa eher zu finden als in Japan. Dort werden sie vor allem als Helfer gesehen“, bestätigt Wieching und plädiert für eine realistischere Einordnung. „Der Roboter ist kein gleichberechtigter Partner, aber wir sollten sein Potenzial nutzen.“

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