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Musiktherapie bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen

Zu Pferd und mit Musik

Die positiven Effekte einer multimodalen Stimulation mittels Reit- oder Musiktherapie bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen sind bereits bekannt. Ob sie sich auch nach einem Schlaganfall erzielen lassen, fragten sich Lina­ Bunketorp-­Käll­, Institut für Neurowissenschaften und Physiologie, Universität Göteborg, und Kollegen. In ihre Studie schlossen sie 123 Männer und Frauen zwischen 50 und 75 Jahren ein, deren Schlaganfall mindestens zehn Monate bis maximal fünf Jahre zurücklag. Jeweils 41 Patienten wurden der Rhythmus-Musik-, der Reit- oder der Kontrollgruppe mit konventioneller Rehabehandlung zugeteilt. Die Therapiesitzungen fanden jeweils zweimal pro Woche über drei Monate statt. Die Musikeinheiten dauerten dabei jeweils 90 Minuten, während die Reitstunden 240 Minuten in Anspruch nahmen.

Die Teilnehmer der Musiktherapie mussten mithilfe farbiger Symbole bestimmte rhythmische Hand- und Fussbewegungen passend zur Musik ausführen. Die Übungen waren aus einem Trainingsprogramm für Schlagzeuger abgeleitet worden. Die Reiter führten, nachdem sie die Pferde gestriegelt hatten, verschiedene Aufgaben auf dem Rücken der gehenden Pferde aus, z. B. beide Arme ausstrecken oder die Tiere an bestimmten Stellen berühren und gleichzeitig die Balance halten.

Rhythmische Bewegungen stärken das Gedächtnis

Als primären Endpunkt definierten die Wissenschaftler die Beurteilung des Behandlungserfolgs durch die Patienten selbst mittels «Stroke Impact Scale» (SIS, visuelle Analogskala 100). Darüber hinaus ermittelten sie den Einfluss der verschiedenen Behandlungsstrategien auf Gleichgewicht, Gang, Griffstärke und Kognition. Alle Messungen wurden vor Beginn der Therapiephase sowie nach drei und sechs Monaten durchgeführt.

In beiden Interventionsarmen lies­sen sich positive Effekte feststellen. Unmittelbar im Anschluss an die Therapiephase hatten sich die Fähigkeiten der Schlaganfallpatienten laut SIS in der Musikgruppe im Mittel um 5,2 Punkte und in der Reitgruppe durchschnittlich um 9,8 Punkte verbessert. In der Kontrolle war dagegen ein Minus von im Mittel 0,5 zu verzeichnen.

Die positiven Effekte der multimodalen Stimulation hielten bis zum letzten Kontrolltermin nach einem halben Jahr an. Während die Reiter sich auch in der Balance und in der Griffstärke anhaltend verbesserten, entwickelten die Musiker zusätzlich ein besseres Gedächtnis.
Grössere Studien sollten jetzt laut den schwedischen Forschern folgen, um das vielversprechende Potenzial solcher multimodaler Behandlungen genauer auszuloten.

Bunketorp-Käll L et al. Stroke 2017; 48: 1916–1924.

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