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Apotheke und Sehenswürdigkeit

Anstaltsapotheken, die gleichzeitig öffentliche sind, kann man in Österreich an den Fingern einer Hand abzählen. Die uralte Apotheke zum Granatapfel in Eisenstadt ist eine davon. (Pharmaceutical Tribune 12/2018)

Besuchergruppen, die aus dem Touristenbus steigen und kurze Zeit später den Kopf zur Decke recken, sind in der Eisenstädter Apotheke zum Granatapfel der Barmherzigen Brüder keine Seltenheit: Die 258 Jahre alte Offizin hat ein prächtiges Gewölbe mit kunstvoller Wandmalerei. Die abgebildeten Engel tragen das Symbol des Ordens der Barmherzigen Brüder, nach dem auch die Apotheke benannt ist: der Granatapfel. Während die Decke aus dem 19. Jahrhundert stammt, besteht die Rokoko-Möblierung bereits seit der Gründung. Das geschichtsträchtige Interieur ist nicht das einzige Besondere an der Apotheke: Der 30-Mitarbeiter- Betrieb hat neben der pharmazeutischen Versorgung der Öffentlichkeit auch die des angeschlossenen 420-Betten-Spitals über. Eine Kombination, die es in Österreich ganze fünf Mal gibt.

Apothekenleiterin Mag. Petra Riegler (li.) und ihre klinischen Pharmazeuten

Angesichts dieser unterschiedlichen Aufgaben – man könnte fast von einem Spagat sprechen – hat die Yoga-begeisterte Apothekenleiterin Mag. Petra Riegler eine besondere Herausforderung zu meistern. „Es ist viel Flexibilität gefragt. Die Doppelfunktion sorgt aber auch für einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Viele Mitarbeiter haben die Möglichkeit, immer wieder zwischen den Bereichen zu wechseln, und schätzen das auch“, erzählt Riegler. Zweieinhalb Jahre bekleidet sie den Chefposten nun schon. Als sie 2011 in der Apotheke anheuerte, brachte sie Arbeitserfahrung in öffentlichen und in Anstaltsapotheken gleichermaßen mit und war damit eine ideale Kandidatin für den Leitungsposten. Das Einpendeln aus Niederösterreich macht der Absolventin einer dreijährigen postgradualen Ausbildung für Krankenhauspharmazie nichts aus. „Eisenstadt ist schließlich eine putzige kleine Stadt“, so Riegler.

Steckenpferd Klinische Pharmazie

Unter ihrer Ägide stellte die Apotheke 2017 insgesamt 22.000 Zubereitungen her, u.a. mehrere Tausend Zytostatika-Infusionslösungen. Groß geschrieben wird die Dienstleistung der klinischen Pharmazie. So begutachteten fünf der insgesamt elf Pharmazeuten im letzten Jahr 11.200 Medikationsprofile und verfassten 2.000 Konsile. „Bereits meine Vorgängerin fing 2005 mit der klinisch-pharmazeutischen Betreuung bei Spitalspatienten an, damals noch mit einem kleinen Projekt“, erzählt Riegler. Die Einführung der digitalen Patientenkurve 2010 ermöglichte schließlich eine starke Ausweitung des Angebots. „Dass wir nicht mehr auf die Station gehen müssen, sondern alle relevanten Patienteninfos online einsehen können, bedeutet einen großen Zeitgewinn.“

Hinzu kommen die ebenfalls von den Pharmazeuten geführten Aufnahmegespräche mit Patienten, im letzten Jahr 707 an der Zahl. „Täglich geht ein Apotheker auf die Umfallambulanz, nimmt die Medikamente der Patienten auf und führt ein Beratungsgespräch mit ihnen.“ Das Vorhandensein der entsprechenden Reinräume ermöglicht, dass der 30-Mitarbeiter-Betrieb auch für die Bevölkerung von Eisenstadt und Umgebung eine Anlaufstelle für schwer kranke Schmerzpatienten ist: Oft bereits im Palliativ-Stadium befindliche, ambulante onkologische Patienten können sich hier ihre Schmerzkassetten befüllen lassen. Darüber hinaus stellt die Apotheke auch Fentanyl-Nasenspray her, der bei Durchbruchschmerzen besonders schnell wirkt.

APO-Steckbrief:

  • Apotheke zum Granatapfel der Barmherzigen Brüder Esterházystraße 26, 7000 Eisenstadt
  • www.barmherzige-brueder.at
  • Spezialisierungen: Klinische Pharmazie, Schmerzkassetten, Fentanyl- Nasenspray, Ätherische Öle, Homöopathie, Schüßler-Salze, Kosmetik
  • Spezialitäten: Biologische Genusstees
  • Services: Stammkundenkarte

APOPRIVAT
Mag. Petra Riegler

MOTTO „Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen von Theorie“, sagte schon der Yoga- Meister Swami Sivananda.
HUMOR Besonders gerne erinnern wir uns in der Apotheke an folgende Begebenheit: An einem heißen Sommertag kam eine Stammkundin zu uns, zog einen Kühlakku aus ihrem Dekolleté und bat uns, diesen kurz in den Kühlschrank zu legen, damit er sie wieder erfrischt. Was wir natürlich gerne gemacht haben. Und dann war da noch ein Kunde mit einem Viagra-Rezept. Er bat uns, das Medikament einzupacken, da es für einen Nachbarn sei. Nur hatte der Mann eine Uniform mit Namensschild an. Es deckte sich mit dem Namen auf dem Rezept.
WORK-LIFE Früher habe ich nebenbei Aerobic unterrichtet, heute ist es vor allem Yoga. Das hilft mir auch, mit der hohen Arbeitsbelastung fertig zu werden.

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