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Darmflora als Auslöser für Multiple Sklerose

13.09.2017 – Eine Studie des Max-Planck-Institutes mit mehr als 50 eineiigen Zwillingspaaren bestätigt aktuell, dass die natürliche Darmflora des Menschen Multiple Sklerose (MS) auslösen kann. Jeweils einer der Zwillinge erkrankte an MS.

Multiple Sklerose gilt als die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. ExpertInnen vermuten eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren als Grund für den Ausbruch der Erkrankung. Bei entsprechender genetischer Voraussetzung stehen seit einigen Jahren auch Bakterien der natürlichen Darmflora als Auslösefaktor der Krankheit unter Verdacht. Dies konnte in Tierversuchen bereits belegt werden, vergleichende Untersuchungen an Menschen waren bis dato jedoch nicht eindeutig. Die ForscherInnen konzentrierten sich daher auf die Unterschiede der Darmflora, denn genetisch waren die Zwillingspaare ja identisch.

Im Rahmen der aktuellen Studie, wurden genetisch veränderte Mäuse mit Darmproben der MS-erkrankten Zwillinge geimpft. Die Mäuse erkrankten in Folge fast zu hundert Prozent an der MS-ähnlichen Hirnentzündung. Dadurch erhielten die Forschenden erstmals die Bestätigung, dass Bestandteile der Darmflora von MS-PatientInnen eine funktionelle Rolle bei der Aktivierung der T-Zellen spielen, die letztlich zu MS führen können. Die weitere Aufgabe der Forschenden ist es nun, in Frage kommende Mikroorganismen weiter einzugrenzen.

Trotz der aussagekräftigen Ergebnisse warnen die WissenschaftlerInnen vor übereilten Hoffnungen. Die Untersuchungen würden noch Jahre andauern und es sei nach wie vor nicht klar, „ob und welche Diagnose- und Therapieverfahren daraus entstehen können“. Neben Forschenden von deutschen Max-Planck-Instituten und Universitäten, war auch die University of California an der Studie beteiligt.

Quelle: Kerstin Berer et al.: Gut microbiota from multiple sclerosis patients enables spontaneous autoimmune encephalomyelitis in mice.doi: 10.1073/pnas.1711233114

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