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Ein Jahr ELGA: Lessons learned

STEIERMARK – Über spannende Erfahrungen mit ELGA im laufenden Betrieb hat Ing. Victor Grogger, Projektleiter der Steiermärkischen Krankenanstalten GmbH (KAGes), bei der IIR-Tagung „Elga go live“ in Wien erzählt. (Medical Tribune 46/2016) 

Die elektronische Gesundheitsakte fordert die Mitarbeiter heraus, birgt aber auch Chancen wie einen besseren Informationsaustausch.

Die elektronische Gesundheitsakte fordert die Mitarbeiter heraus, birgt aber auch Chancen wie einen besseren Informationsaustausch.

Ab 9. Dezember des Vorjahres erfolgte in der Steiermark die Anbindung der Spitäler der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (15 LKHs an 23 Standorten) und weiterer Träger an ELGA. Hinzu kamen die Geriatrischen Gesundheitszentren in Graz und vier Pflegewohnheime. Im Mai 2016 folgte dann der Probebetrieb E-Medikation im Bezirk Deutschlandsberg und im Oktober der ELGA-Start im Landespflegezentrums Bad Radkersburg. „Noch ab November ist die Anbindung der niedergelassenen Radiologen und der Laborinstitute geplant“, erklärte Ing. Victor Grogger, KAGes Medizininformatik und Prozesse, die nächsten geplanten Schritte. Er trägt die Verantwortung für die Projekte „Aufbau ELGA Bereich Steiermark“ und „Getting KAGes ELGA ready“.

Was ändert sich für die Mitarbeiter?

Als große Bereicherung werde von Mitarbeitern, die Zugang zu ELGA haben, erlebt, dass sie Zugriff auf Daten von KAGes-externen Gesundheitseinrichtungen haben, so Grogger über die „lessons learned“. Das gelte auch für Medikationslisten aus dem Probebetrieb E-Medikation im Bezirk Deutschlandsberg. „Wir haben bestimmt, welche Berufsgruppen eine Zugangsberechtigung haben und setzen auf eine Zugriffsprotokollierung.“ Ein direkter Aufruf der ELGA-Dokumente aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS) sei für Zugriffsberechtigte über einen eigenen ELGA-Button für einen selektierten Patienten einfach möglich. ELGA-Dokumente können bei medizinischer Relevanz auch direkt ins KIS übernommen und gedruckt werden.

Umgekehrt werden im Krankenhaus ELGA-relevante Dokumente bei der stationären Entlassung oder nach der ambulanten Abmeldung oder sechs Stunden nach dem letzten ambulanten Besuch eines Patienten automatisch in ELGA registriert – sofern das betreffende Dokument freigegeben ist und der Betroffene kein Opt-out („Widerspruchsrecht im Anlassfall“) gewählt hat. „Bei Laborbefunden haben wir oft das Problem, dass nur ein Wert ausständig und damit der Befund nicht endgültig ist“, weiß Grogger um einen Problembereich in der Praxis. Das Löschen oder Versionieren eines Dokuments im KIS bewirke immer auch ein Löschen oder Versionieren in ELGA.

Sehr hilfreich für die User sei eine strukturierte Dokumentation wie beim Entlassungsbrief, so der IT-Experte, weil die wichtigsten Daten der Patienten auf der Maske zu sehen sind und weitere Inhalte bei Bedarf ausgeklappt werden können. Bei angehängten PDFs hingegen habe man diese Infos „auf den ersten Blick“ nicht, da auf Befunden & Co in der Regel der Adresskopf ganz oben steht.

Situatives Opt-out bringt Mehraufwand

Mit Zusatzaufwand verbunden ist die Möglichkeit eines situativen Opt-outs der Patienten von ELGA. Es muss dies im KIS erfasst, ein Formular Patientenerklärung ausgedruckt, das Original dem Patienten mitgegeben und die Kopie archiviert werden. „Eine Umfrage unter den Mitarbeitern zeigte, dass damit null bis fünf Minuten Mehraufwand verbunden sind“, so Grogger. Hinzu komme, dass Patienten mit „sensiblen Daten“ über das Recht eines situativen Opt-outs informiert werden müssen. Das gilt bei HIV, psychischen Erkrankungen als Hauptdiagnose, genetischen Analysen und Schwangerschaftsabbruch.

Grogger: „Wir hatten bisher 7000 Opt-outs und 1400 Informationen zum Opt-out, wobei der Großteil psychiatrische Patienten betraf.“ Was der Projektleiter bedauert, ist, dass Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister nicht sehen können, ob sich ein Patient für ein generelles Opt-out entschieden hat. Denn sie informieren so oft unnötig über die Möglichkeit des situativen Opt-outs.

Vorab-Information ist das Um und Auf

„Sehr gut gefahren sind wir mit unseren 80 Infoveranstaltungen vor ELGA-Einführung, abgehalten von den Projektleitern mit Unterstützung der Clearingstelle“, resümierte Grogger. „Damit haben wir etwa 10–15 Prozent der Mitarbeiter vorab erreicht.“ Darüber hinaus seien Flyer an alle Mitarbeiter verteilt worden. Und es habe Workshops zum situativen Opt-out für die Zielgruppe Psychologie, Psychiatrie, Gynäkologie etc. gegeben, zu denen auch das leitende Personal aller Abteilungen eingeladen war. „Wichtig ist bei den Infoveranstaltungen gleich klarzustellen, dass Ziel die Wissensvermittlung und nicht die Diskussion von Meinungen über ELGA ist, wir können politisch nichts ändern“, so Grogger. Persönlich hofft er, dass der Probebetrieb E-Medikation verlängert und ausgeweitet wird, da der Benefit für die Spitalsmitarbeiter größer als der Mehraufwand sei.

ELGA live: Die elektronische Gesundheitsakte, IIR Seminar; Wien, November 2015

E-Medikation in Deutschlandsberg

Der Probebetrieb E-Medikation im Bezirk Deutschlandsberg soll verlängert werden, so die Ärzte mittun. Dabei gilt die Flächendeckung als erfolgskritischer Faktor: Nur wenn der Prozess von Ärzten und Apotheken konstant gelebt wird, bringt es Nutzen und Akzeptanz, betonte Mag. (FH) Roland Romirer, Teamleiter Partnersupport der SV-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft. Das Feedback der User soll als Input für Softwarehersteller genutzt werden. Nächste Schritte seien, dass weitere Ärzte und Apotheken am Probebetrieb teilnehmen. Feedbackbögen werden versandt. Auch Informationsmaßnahmen für die Patienten sind geplant.

Von: Mag. Karin Martin