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Mysteriöse Schwellung der Achseln

Illustration: Kim NovakFrau O. kommt mit ihren beiden Kindern (5 und 8 Jahre) im Schlepptau in Ihre Ordination. „Vor 2 Tagen ist mir beim Baden der Kinder diese komische Schwellung aufgefallen“, schildert die Mutter den Grund ihres Besuches und zeigt auf die Achseln der beiden Buben. „Sie tut ihnen nicht weh, und auch sonst sind beide gesund, zumindest bis jetzt. Aber schon komisch, dass beide das haben.“ Bei der Untersuchung zeigt sich bei beiden Kindern eine indolente, axilläre Lymphadeno-pathie sowie zahlreiche Kratzspuren an beiden Unterarmen. Der 8-jährige Martin erklärt Ihnen, dass diese von Lilly stammen, seiner kleinen Katze, die er vor einer Woche zum Geburtstag von der Oma geschenkt bekommen hat. „Die Kinder sind ganz vernarrt in die kleine Lilly und fangen sich beim wilden Toben mit ihr diese Kratzer ein“, fällt die Mutter ein. „Bei manchen sieht man so rötliche Pünktchen. Sind die beiden vielleicht allergisch auf Lilly?“ Frau O. zeigt auf rot-braune Papeln an 2 der Kratzspuren. Haben die beiden Buben eine Allergie, oder wie erklären Sie sich diese plötzliche schmerzlose Lymphadenopathie? Welche ­Differenzialdiagnosen gilt es zu beachten?

„Die Falldarstellung lässt mich primär an eine Katzenkratzkrankheit denken“

Foto: PrivatDr. Markus Charisius
Arzt f. Allgemeinmedizin, Bad Bleiberg
Die Falldarstellung lässt mich primär an das Vorliegen einer Katzenkratzkrankheit denken. Die beschriebene Klinik, gemeinsam mit den anamnestischen Angaben und Häufungsgipfel im Spätherbst lassen diese Diagnose am wahrscheinlichsten erscheinen. Bei der Katzenkratzkrankheit, die durch eine bakterielle Infektion mit Bartonella henselae verursacht wird, ist die Primärläsion typischerweise eine rote Papel, die durch eine Verletzung durch eine Katze entsteht. Dies kann sichtbar oder anamnes­tisch sein. Bei einem sehr ausgeprägten klinischen Bild wäre eine Verwechslung mit einer allergischen Urticaria eventuell denkbar; durch die anamnestischen Hinweise jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Die axilläre Lymphknotenschwellung entspricht der Abflussrichtung der Lymphe vom lokalen Infektionsgebiet nach kranial. Die Druckindolenz der Lymphadenitis lässt auf ein eher subakutes Stadium der Erkrankung schließen. Die weitere klinische Symptomatik weist eine sehr breite Palette von asymptomatisch bis zu sehr seltenen komplizierten Verläufen hin auf, wie Enzephalitis und Parinaudsyndrom. Der beschriebene Fall würde gut zur einer milden Verlaufsform dieser Diagnose passen.

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