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Herr F. Kann kaum noch atmen

Illustration: Kim Novak

Sie wollen gerade Ihre Ordination schließen, als Herr F. erscheint. „Ich fühl mich gar nicht gut. Seit heute Früh habe ich so ein Druckgefühl im Hals und seit einer halben Stunde kann ich kaum mehr schlucken. Schmerzen habe ich nicht wirklich, aber der Hals macht einfach zu. Ich glaub, da stimmt was nicht!“, berichtet er sichtlich aufgeregt. Sie beruhigen Ihren Patienten erst mal und untersuchen ihn rasch klinisch. Es zeigt sich ein ausgeprägtes Uvulaödem sowie eine deutliche Schwellung der linken Tonsille. Pulmo: frei, VA bds, kein Stridor, Cor: rein, rhythmisch, etwas tachykard. Während der Untersuchung fällt Ihnen ein, dass Herr F. vor zwei Tagen bei Ihnen war zur RR-Einstellung. Der Aktenvermerk gibt an, dass Sie ihm Lisinopril verschrieben haben. Vorerkrankungen bestehen bis auf rez. Urticaria keine, auch besteht keine weitere Dauermedikation. Welche Maßnahmen setzen Sie als Erstes und wie können Sie Ihrem Patienten rasch helfen?

"Während die Assistentin ein Antihistamin aufzieht, hänge ich am 144er"

Foto: Privat

Dr. Karl Belza
Arzt f. Allgemeinmedizin, Mannersdorf
Zugegeben: Die Formulierung „I kriag ka Luft!“ haben wir alle schon aus unterschiedlichsten Gründen gehört. Extremfälle in beiden Richtungen waren ein fortgeschrittenes Lungenödem, dessen Besitzer mich nicht stören wollte, und ein Stockschnupfen, der einen dringenden Hausbesuch anforderte. Herr F. ist relativ neu in der Praxis, kooperativ und vernünftig und jetzt beunruhigt. Kein Wunder, sein Rachen wirkt glasig geschwollen und die Uvula hängt schief und dick zwischen den vergrößerten Tonsillen. Die kurze Exploration ergibt eine schnelle Zunahme der Symptome, der ebenso kurze Blick in die Karteimaske einen ACE-Hemmer in der kurzen (2 Tage) Vergangenheit; die Lunge ist frei und das Herz tachycard (no na!), aber sonst soweit unauffällig.

Und ich könnte mich wieder mal ohrfeigen und dann still im Boden versinken. Steht doch da „rezidivierende Urticaria“ und damit der Verdacht auf HAE vulgo hereditäres Angioödem im Raum. Hatten wir schon, fallweise sogar unter langjähriger ACE-Hemmer-Therapie; aber noch nie so foudroyant. Während die Assistentin ein Antihistamin und ein schnelles Glucocorticoid aufzieht und alles für einen venösen Zugang vorbereitet, hänge ich schon am 144er und erkläre dem Diensthabenden a) dass ich SEHR zeitnah einen RTW brauche b) ich den Patienten begleite und deshalb kein NAW primär zu alarmieren ist; ein Treffen auf halbem Weg zum Krankenhaus allerdings wünschenswert wäre und c) ich den Patienten im KH avisieren würde.

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