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Friedrich Zawrel – Opfer der NS-Euthanasie

Am 20. Februar verstarb ein bekannter Überlebender des NS-Euthanasieprogramms: Friedrich Zawrel.

Stadträtin Wehsely ehrt Spiegelgrund-Opfer Friedrich Zawrel mit dem Goldenen Verdienstzeichen

15. Dezember 2008: Stadträtin Sonja Wehsely ehrt Spiegelgrund-Opfer Friedrich Zawrel mit dem Goldenen Verdienstzeichen

Friedrich Zawrel, 1929 in Lyon geboren, wurde wegen seiner einfachen sozialen Herkunft als Kind in der NS-Anstalt am “Spiegelgrund” gefangengehalten. Der Psychiater Heinrich Gross nahm an Zawrel und rund 800 “erbbiologisch minderwertigen Kindern” in der einstigen Heil- und Pflegeanstalt “Am Steinhof”, dem Wiener Zentrum der NS-Tötungsmedizin, zum Teil pseudo-wissenschaftliche “Untersuchungen” vor, an denen die meisten Internierten zugrund gingen. Zawrel gelang durch die Unterstützung einer Krankenschwester die Flucht.

Heinrich Gross: Ausgezeichneter Mörder

Gross, der mit seinen psychiatrischen Gutachten im Nachkriegsösterreich hunderttausende Euro verdiente und mit Auszeichnungen wie dem Theodor-Körner-Preis und dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse geehrt wurde, wurde für seine Greueltaten und Morde niemals gerichtlich verurteilt.

In den 1970er Jahren begegnete Zawrel seinem einstigen Peiniger in dessen Funktion als Gerichtsgutachter. Für das neue psychiatrische Gutachten verwendete Gross die Krankenakte aus dem Spiegelgrund.

Die Arbeitsgemeinschaft Kritische Medizin und der Mediziner Werner Vogt unterstützten Zawrel in weiterer Folge. Seinen Lebensabend verbrachte Zawrel mit dem unermüdlichen Besuch bei Schulklassen, um über die Schandtaten am Spiegelgrund zu berichten. Im Dezember 2008 wurde Zawrel schließlich das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen.

Psychiater gedenken Zawrel

In einer Aussendung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) entschuldigten sich der Präsident der Fachgesellschaft, Georg Psota, und dessen Vorgänger Christian Haring, erneut bei Friedrich Zawrel für all das, was ihm und Abertausenden durch ein Regime des Grauens, dem auch Psychiaterinnen und Psychiater teils massivst Gefolgschaft geleistet hätten, angetan wurde. In der Aussendung hieß es weiter: “Friedrich Zawrel war eines von abertausenden Opfern des NS-Regimes, der NS-Psychiatrie. Zudem hat es auch in der Zweiten Republik noch Jahrzehnte gedauert, bis das Unrecht an ihm beendet wurde.”

Puppentheater gegen das Vergessen

Simon Meusburger und Nikolaus Habjan entwickelten ein Figurentheater, in dem die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel erzählt wird. Das Stück, das im Jahr 2012 in der Kategorie “Beste Off-Produktion” den Nestroypreis erhielt, ist immer wieder im Wiener Schuberttheater zu sehen.

Im März gastiert Habjan im Halleiner Stadttheater mit dem Stück “F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“. Zawrel wollte das Stück als Ehrengast besuchen. Dazu kommt es leider nicht mehr, denn der 85-Jährige verstarb am 20. Februar 2015.

F. ZAWREL – ERBBIOLOGISCH UND SOZIAL MINDERWERTIG