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Tiroler Tumorregisterbericht veröffentlicht

Das Tumorregister der TILAK sammelt Daten über die Inzidenz und Mortalität maligner Neubildungen in Tirol. Nun wurden die Daten für das Diagnosejahr 2011 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass Krebspatienten in Tirol im EU-Vergleich sehr gute Überlebenschancen haben. Besonders die Zahlen der Darmkrebs-Patienten entwickelten sich seit dem Jahr 2000 erfreulich.

Tumorregister Tirol.  Bericht für das Diagnosejahr 2011Am Institut für klinische Epidemiologie der TILAK werden medizinische Register wie das Prothesenregister, das Diabetesregister, das Geburtenregister und das Tumorregister Tirol (cancer registry) geführt.

Das Tumorregister Tirol erhält Daten über neu auftretende Tumorfälle von den Tiroler Krankenhäusern und Sanatorien und dokumentiert so alle Krebsfälle in der Tiroler Bevölkerung und berechnet durch Verbindung mit den Mortalitätsdaten die Überlebenszeiten und Überlebensraten.

Tumorfälle werden nur in Ausnahmefällen ausschließlich von niedergelassenen Ärzten behandelt, über die Pathologie-Befunde werden auch solche Tumorfälle registriert. Eine Ausnahme bilden die Melanome: in Tirol werden etwa zwei Drittel der Melanome durch niedergelassene Dermatologen diagnostiziert und therapiert. Dabei werden alle bösartigen Neubildungen sowie die Carcinoma in situ erfasst, allerdings wird bei Non Melanoma Skin Cancer (NMSC) keine Überprüfung auf Vollständigkeit durchgeführt, aus diesem Grund werden die Daten der NMSC auch nicht veröffentlicht.

Das im Jahr 1986 gegründete Register begann mit dem Aufbau der Tumordokumentation in Tirol Anfang 1987. Seit dem Diagnosejahr 1988 werden regelmäßig Berichte verfasst. Das Tumorregister dokumentiert Tumorfälle nach international anerkannten Methoden. Lokalisation und Histologie der Tumorfälle werden nach ICD-O Version 3 codiert.

Für die Erzielung eines möglichst hohen Grades an Vollzähligkeit der Tumorfälle in der Tiroler Bevölkerung wird eine Recherche-Datenbank mit möglichen neudiagnostizierten Krebsfällen angelegt, die aus unterschiedlichen Datenquellen befüllt wird.

Die Auswertungen erfolgt mit Standardmethoden der Epidemiologie wie altersstandardisierten Raten für aktuellen Daten und Zeittrends, SMR für die Bezirksverteilung und relative Überlebensraten für Überlebensstatistiken.

Tumorregisterbericht 2011

Im Jahr 2011 erkrankten pro Jahr um die 1.670 Frauen und 1.870 Männer an einem invasiven Karzinom. Daran verstarben pro Jahr um die 690 Frauen und 780 Männer. Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose betrug 66 Jahre, 22 % der weiblichen und 14 % der männlichen Patienten waren jünger als 50 Jahre.

Zeitliche Entwicklung

Für die Tumorgruppe “Alle Karzinome außer Non Melanoma Skin Cancer” (NMSC) wird bei Frauen ein leichter Anstieg der Inzidenz von 0,8 % und bei Männern eine Abnahme von 1,4 % sowie bei beiden Geschlechtern eine Abnahme der Mortalität von 1,7 % pro Jahr verzeichnet.

Eine deutliche Abnahme ist bei der Mortalität von Frauen mit Magenkarzinom, Darmkrebs, Zervixkarzinom und Mammakarzinom zu beobachten.
Bei den Männern zeigt sich ein starker Rückgang bei Prostatakarzinom, Magenkarzinom, Larynxkarzinom und Darmkrebs.

Eine deutliche Zunahme wurde bei den Frauen mit Lungenkarzinom und Tumoren im Kopf-Hals-Bereich sowie bei Männern mit Leberkarzinom beobachtet.
Die Inzidenz des Schilddrüsenkarzinoms nimmt bei beiden Geschlechtern zu, die Mortalität nimmt hingegen ab.

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Relative Überlebensraten

Die relativen Überlebensraten der Tiroler Daten wurden mit den Resultaten der SEER-Register aus den USA verglichen. Die Tiroler Daten umfassen die Diagnosejahre 2004 bis 2008, dabei sind Mortalitätsdaten bis Ende 2013 berücksichtigt. Die Überlebensrate ist für alle Karzinome zusammengefasst mit 65 % fast ident mit den US-amerikansichen Vergleichsraten.

Die häufigen Tumorlokalisationen haben folgende Fünfjahresüberlebensraten: Mammakarzinom 87 %, Lungenkarzinom 23 % (Frauen) bzw. 20 % (Männer), Prostatakarzinom 98 %, kolorektale Karzinome 72 %, Magenkarzinom 42 % (Frauen) bzw. 35 % (Männer), Pankreaskarzinom 10 %, Kopf/Hals-Karzinom 61 % (Frauen) bzw. 53 % (Männer), Melanome 96 % (Frauen) bzw. 94 % (Männer), Schilddrüsenkarzinom 93 % (Frauen) bzw. 89 % (Männer) und bösartige Neubildungen der blutbildenden Organe 62 % (Frauen) bzw. 68% (Männer).

Beim kolorektalen Karzinom, Magenkarzinom (Männer), Lungenkarzinom (Männer), Melanom (Frauen) und Ovarialkarzinom zeigten sich signifikant bessere Überlebensraten.

Vergleiche EU

Verglichen wurden die Tiroler Daten der Jahre 2007 – 2011 mit EU-Daten des Jahres 2012. Für alle Karzinome zusammengefasst liegen die Inzidenzraten für Tirol im EU-Durchschnitt und die Mortalitätsraten bei den Frauen im und bei den Männern unter dem EU-Durchschnitt. Besonders deutlich unter dem EU-Durchschnitt
liegen Speiseröhrenkarzinom (Männer), kolorektales Karzinom, Korpuskarzinom, Harnblasenkarzinom und Nierenkarzinom (nur Mortalität).

Raten besonders deutlich über dem EU-Durchschnitt beobachten wir bei den Frauen für Karzinome im Kopf/Hals-Bereich, beim Prostatakarzinom (nur Mortalität) und beim Schilddrüsenkarzinom.

Die Situation der Melanome ist durch eine Erhebung der Fälle auch im niedergelassenen Bereich charakterisiert, hingegen werden in vielen Ländern nur diejenigen Fälle registriert, die in Krankenhäusern diagnostiziert bzw. therapiert werden.

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>> Tumorregisterbericht 2011

Quelle: Institut für klinische Epidemiologie, TILAK