Menü Logo medONLINE.at

Kritik an den Plänen zur Pflege

PFLEGE – Die von der Regierung beabsichtigte Neuorganisation der Pflegeausbildung stößt auf Kritik v.a. bei den Trägerorganisationen. Diese greife zu kurz und würde die Planung deutlich erschweren.

ausbildung.840

Wie werden junge Menschen in Zukunft in den Pflegeberufen ausgebildet? Über diese Frage wird derzeit heftig diskutiert.

Pflegeassistenz, Pflegeassistenz plus und Gesundheits- und Krankenpfleger mit Bachelorabschluss. Das sind die drei Pflegeberufe, die das Gesundheitsministerium in Zukunft in Österreich ausbilden lassen will. Dazu kommen noch Unterstützungskräfte, die aber nicht mehr als Gesundheitsberuf gelten sollen. BM Dr. Sabine Oberhauser betonte am Pflegekongress Ende November, dass Österreich mit dieser Ausbildung an den internationalen Standard anschließen würde. „Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, dass wir jungen Menschen ohne Matura den Weg in Pflegeberufe verwehren“, stellte sie auch fest. Gleichzeitig sprach sie sich für eine klare Regelung der Tätigkeitsfelder aus – diese Diskussionen sollten in Zukunft nicht mehr am Krankenbett geführt werden müssen.

Kompetenzregelung

Hier dürfte allerdings noch Klärungsbedarf bestehen, den sowohl der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) als auch die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK)einmahnten. Während die Ausbildung des gehobenen Pflegedienstes an Fachhochschulen schon fixiert sein dürfte, besteht noch Unklarheit über die zukünftigen Kompetenzen und damit Ausbildungsanforderungen für die Pflegeassistenz und die Pflegeassistenz plus (mit Zusatzmodulen in Akutpflege, Kinder- und Jugendpflege sowie Langzeitpflege). Die Ärztekammer fürchtet, dass die Länder starkes Interesse daran haben werden, aus Kostengründen mehr Pflegeassistenten einzusetzen als bisher.

Die „hervorragend ausgebildeten gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienste würden dann das Nachsehen haben“, warnte der Bundeskurienobmann Angestellte Ärzte Dr. Harald Mayer. Wichtiger als die Schaffung neuer akademischer Strukturen wäre die Ausschöpfung des vollen Berufsbildes der diplomierten Pflege. Er befürchtet, dass übereilte Entscheidungen zu einem Mangel an Pflegekräften und vermutlich zu einer qualitativ schlechteren Versorgung der Patienten führen könnten. In den Spitälern fehle es v.a. an Personal für administrative Tätigkeiten, Service- und Reinigungskräften. Das würde dazu führen, dass sowohl Pflege als auch Ärzte berufsfremde Tätigkeiten übernehmen müssten.

Alle Settings mitdenken

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG), als Interessensvertretung der Trägervereine für Pflegeleistungen wie Rotes Kreuz, Caritas, Diakonien, Hilfswerk und Volkshilfe, ist mit dem Entwurf zu Pflegeausbildung alles andere als glücklich und hofft, noch Einfluss nehmen zu können. Besonders die Aufteilung der Kompetenzen der Pflegeassistenz und der Pflegeassistenz plus würde die Trägervereine vor große organisatorische Probleme bei der Erstellung von Einsatzplänen und -routen im ambulanten Setting stellen, weil auch in kleinen Organisationseinheiten dann ständig alle Kompetenzniveaus verfügbar sein müssten. Sie plädieren dafür, nur die Pflegeassistenz plus neben dem gehobenen Dienst zu verankern.

Insgesamt fühlen sich die Trägerorganisationen zu wenig in die Neuregelung der Pflegeberufe eingebunden. Die jahrelangen Überlegungen und Vorarbeiten des Österreichischen Bundesinstituts Gesundheit seien nicht in das Konzept der Politik eingeflossen, kritisierte der Direktor der Diakonie Mag. Michael Chalupka. Niemand außer den Ländern sei in den Erstentwurf eingebunden gewesen. Dieser fokussiere fast ausschließlich auf die Pflege im Krankenhaus. Die betroffenen Berufsgruppen würden aber auch in der Langzeitpflege und Behindertenbetreuung mit ganz anderen Bedürfnissen arbeiten. Darauf müsste auch die neue Ausbildung Rücksicht nehmen.

Verordnungskompetenz

Mag. Monika Wild vom Österreichischen Roten Kreuz begrüßt den geplanten akademischen Abschluss für den gehobenen Dienst als längst überfällig. Sie würde sich aber mit dem Fachhochschulstudium auch mehr Kompetenzen für die Pflege wünschen. Besonders eine Verordnungskompetenz für Pflege- und Inkontinenzhilfmittel wäre wichtig. Auch Arzneimittel wie Nahrungsergänzungsmittel, Hautschutzcremen und Desinfektionsmittel sollten von der Pflege rezeptiert werden können. Das würde auch Abläufe v.a. in der Langzeitpflege vereinfachen. Eine solche Verordungskompetenz wünscht sich auch der ÖGKV. Mag. Wolfgang Marschitz vom Hilfswerk Österreich sieht auch die Notwendigkeit der Auswertung der Kompetenzen der jetztigen Pflegehelferinnen (zukünftige Pflegeassistenz), diese sollten selbstständiger arbeiten dürfen – unter begleitender Kontrolle und nicht unter zwingender Aufsicht.

Sozialberufe mitbedenken

MMag. Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, forderte im Zuge der Pflegereform auch gleich die Übertragung der Kompetenzen für das Berufsrecht der Sozialberufe auf den Bund. Dann wäre eine koordinierte Anpassung von Pflege- und Sozialbetreuungsberufen möglich.

Pflegegeldeinstufung

Am Pflegekongress gab Sozialminister Rudolf Hundstorfer bekannt, dass ab dem kommenden Frühjahr Erhöhungsanträge für das Pflegegeld ab Stufe 3 durch Pflegefachkräfte geprüft und vorgenommen werden können.

Autor: Mag. Silvia Jirsa