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Image der Hausärzte erhoben

WIEN – Hausärzte sind für die Österreicher die mit Abstand wichtigsten Ansprechpartner bei gesundheitlichen Beschwerden und Fragen. Das zeigt zumindest eine von der Wiener Ärztekammer beauftragte Befragung von 1000 Bürgern in ganz Österreich. Aus deren Daten leitet Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, bekannte und neue Forderungen an die Gesundheitspolitik und Sozialversicherung ab.

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Dr. Johannes Steinhart (links) präsentierte mit Meinungsforscher Univ.-Doz. Dr. Peter Ulram die Daten der Befragung zum Image der Hausärzte in der Bevölkerung.

Umfragen sind ein von vielen Interessensvertretungen gerne genutztes Instrument, um eine breite öffentliche Unterstützung ihrer Anliegen aufzuzeigen und damit Druck auf politische Verantwortliche auszuüben. Über die Formulierung der Fragen hat der Auftraggeber natürlich auch eine gewisse Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen. Die Ärztekammern bedienen sich des Instruments Umfrage gerne – sei es bei der Turnusevaluierung (siehe Seite 17/MT44) oder auch beim Dauerthema „Aufwertung des Hausarztes“.

Aktuell befragte das Meinungforschungsinstitut Spectra im Auftrag der Wiener Ärztekamer ein repräsentatives Sample aus 1000 Männern und Frauen zur Bedeutung des Hausarztes in Österreich. Ausgewertet und interpretiert wurden die Daten von Meinungsforscher Univ.- Doz. Dr. Peter Ulram, ecoquest Market Research & Consulting. Die erhobenen Daten könnten für den Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte Dr. Johannes Steinhart nicht erfreulicher sein. 100 % der Befragten halten die Hausärzte für einen wichtigen Bestandteil der österreichischen Gesundheitsversorgung.

78 % geben als ersten Ansprechpartner bei Krankheit oder Bedarf nach medizinischer Hilfe den Hausarzt an, weit dahinter rangieren Verwandte und Bekannte (11 %), Apotheker (6 %), Internet-Ratgeber (3 %) und Krankenhaus (2 %). Mit der Qualität und den Leistungen des eigenen Hausarztes sind 76 % „sehr zufrieden“ und 20 % „eher zufrieden“. 73 % würden ihren Hausarzt „auf jeden Fall“ weiterempfehlen.

Ein Fünftel fühlt sich unterversorgt

Auf die „Reduzierung der Hausärzte“ in den vergangenen Jahren in Österreich explizit angesprochen, sind drei Viertel der Befragten dafür, dass es in Österreich mehr Hausärzte geben sollte, nur 15 % finden die Reduktion der Hausarztpraxen positiv. Rund 20 % empfinden die Versorgung mit Hausärzten in ihrem Wohngebiet „eher nicht oder gar nicht ausreichend“. Wobei die nähere Analyse der Daten für ländliche Gegenden hier eine deutlich höhere Unzufriedenheit ausweist, erzählt Doz. Ulram.

Als Antwort auf die Frage „Wer soll darüber entscheiden, welche Behandlung Sie benötigen oder an welchen Facharzt Sie überwiesen werden?“ wählten 98 % „ich selbst bzw. mein Hausarzt“. Nur ein Prozent wählte „ein öffentlicher Gesundheitsdienst“, und nur 1 % gab ein „weiß nicht“ an. Wobei aus dieser Fragestellung nicht die Zustimmung zu einer Gate-Keeper-Funktion der Hausärzte ableitbar ist, weil ja auch die Möglichkeit der Selbstzuweisung damit erfasst wurde.

Die Wiener Ärztekammer nutzte die Umfrage auch, um die von der Bevölkerung gewünschte Rolle der Ärzte gegenüber der Politik abzufragen. Erfreulich für die Ärzte(kammer): 86 % der Befragten sind der Meinung, dass „Ministerien, Sozialversicherung und Länder bei jeder gesundheitspolitischen Entscheidung den Standpunkt der Ärzte berücksichtigen sollen“.

Gegen Bürokratie und Chefarztpflicht

Für Dr. Steinhart, einem durchaus wortgewaltigen Standesvertreter, einmal mehr Anlass, die Ignoranz v.a. der Wiener Gebietskrankenkassen für die Anliegen der Ärzteschaft zu kritisieren. Er sehe keinen Anlass für die Kassen, Überschüsse zu feiern, sie sollten kein Geld „akkumulieren“, sondern dieses vielmehr für eine bessere Versorgung und bessere Rahmenbedingungen für die Ärzte verwenden. Dazu gehöre etwa auch eine Eindämmung der fortschreitenden Bürokratisierung in den Praxen und Spitälern.

Besonders ein Dorn im Auge sind Dr. Steinhart das ABS-System und die Chefarztpflicht. Diese sei vielfach nicht mehr nachvollziehbar, gehe es ja gar nicht mehr um eine Zweitmeinung zu einem einzelnen Patienten. Er fordert daher die Abschaffung der Chefarztpflicht. Auch Deckelungen und Degressionen würden „keiner Logik“ unterliegen – diese gehörten „ausgemistet, neu geregelt oder abgeschafft“. In ganz Österreich würden für eine wohnortnahe Versorgung im niedergelassenen Bereich österreichweit 1300 Kassenstellen fehlen, aber zunehmend auch junge Kollegen, die sich überhaupt in Österreich niederlassen wollen.

Hier seien alle gefordert, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Er erteilte auch dem Ansinnen, „mit Primärversorgungszentren den Ärztemangel“ kaschieren zu wollen, eine Absage. Positiver als gegenüber der Sozialversicherung ist Dr. Steinhart gegenüber der neuen Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser gestimmt. Diese würde im Vergleich zu ihrem Vorgänger „keine kategorischen Standpunkte“ einnehmen und der Diskurs mit ihr zu ELGA wäre „erfrischend“ gewesen.

PK der Wiener Ärztekammer, Oktober 2014

Reaktion des Hauptverbands

Auf die Forderung nach Abschaffung der Chefarztpflicht reagierte der Hauptverband prompt mit einer ablehnenden Aussendung. Nur für 2,75 % der Verordnungen wäre eine Chefarztbewilligung nötig. Das ABS-System ermögliche eine rasche Abwicklung. Auch das gute Image der Hausärzte in der Bevölkerung stellte der Hauptverband in Frage. Eine GfKUmfrage von Mai 2014 zeige vielmehr ein „massives medizinisches Imageproblem“ der Hausärzte. In Wien würden demnach 54 % der Befragten gleich einen Facharzt aufsuchen und nur 43 % zunächst zum Hausarzt gehen.

Autor: Mag. Silvia Jirsa