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Fall der Woche: Hartnäckiger Durchfall als Mitbringsel

Fotos: Privat, Illustration: Kim NovakMit großem Backpackerrucksack kommt Ihr nächster Patient in Ihre Ordination, er scheint direkt vom Flughafen zu kommen. „Ich war für drei Wochen in Thailand, und seit fünf Tagen habe ich so einen Durchfall, dass ich nun ernsthaft besorgt bin“, erklärt Ihnen Herr W., ein 23-jähriger Student. „Ich war schon öfter in Thailand und pass immer sehr auf, was ich esse. Bis jetzt ist es auch immer gut gegangen.“ Während des weiteren Gesprächs erfahren Sie, dass auch seine Freundin an diesem tückischen dünnflüssigen Durchfall leidet. Die ersten beiden Tage haben sie auch erbrochen, aber das hat sich dann gelegt. Herr W. hat eine athletische ­Statur, wirkt aber deutlich geschwächt. RR 130/85 mmHg, ­P 70, Temp. 37,1°C. Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich ein deutlicher DS im Epigastrium und im gesamten Oberbauch, das Abdomen ist aber ansonsten unauffällig und weich. An welche Infektionen denken Sie in erster Linie und wie können Sie Ihrem Patienten jetzt rasch helfen?

„Eine lediglich symptomatische Therapie wäre international durchaus üblich“


Foto: PrivatDoz. Dr. Ursula Hollenstein

FÄ f. Infektiologie u. Tropenmedizin,
Traveldoc, Wien

Zusätzliche Information, die ich mir wünschen würde: Wie häufig sind die Entleerungen (wenig, dann aber viel Stuhl, eher Dünndarm; viele kleinvolumige Stühle, eher Dickdarm), war je Blut dabei? Welche Vorimpfungen sind vorhanden?Bei einer Krankheitsdauer von fünf Tagen ohne Besserungstendenz ist die Ätiologie eher nicht viral. Noro- und Rotavirusinfektionen sind zumeist hochakut und sehr kurz. Die Mehrheit der Reisedurchfälle ist bakteriell bedingt, oft durch Escherichia coli (enterotoxigene oder enteropathogene E. coli). Seltene, aber potenziell ernste Diagnosen wären eine bakterielle Ruhr (Shigellen), bei der ich mir allerdings, nach fünf Tagen ohne Therapie, einen deutlich toxischeren Patienten erwarten würde, oder eine Amöbose.
Prozedere: Da keine Anzeichen einer schweren Diarrhö bestehen (kein Fieber, keine blutigen Stühle, Patient imponiert zwar geschwächt, aber kreislaufstabil mit normalem Blutdruck und Puls), wäre es international durchaus üblich, auf diagnostische Maßnahmen zu verzichten und lediglich symptomatische Therapie zu verordnen (Flüssigkeitsersatz, eventuell ein Motilitätshemmer). Mit einer Krankheitsdauer von fünf Tagen erfüllt der junge Mann auch nicht die Kriterien für eine persistierende (>2 Wochen) oder chronische (>4 Wochen) Diarrhö.
Da er sich aber genug Sorgen macht, um einen Arzt aufzusuchen, und die Krankheitsdauer über den banalen Reisedurchfall hinaus geht, würde ich eine Ex-iuvantibus-Therapie versuchen. Das bestuntersuchte Antibiotikum in dieser Indikation ist das Ciprofloxacin, für das es aus ausgiebig Daten zur Single-shot-Behandlung gibt. Allerdings bestehen, vor allem bei Campylobakter, der anhand der Symptomatik ebenfalls denkbar wäre, in einigen Weltgegenden bereits ausgeprägte Resistenzen. Ich würde daher eine Stuhlkultur veranlassen (sowie eine Untersuchung auf Amöbenzysten), sofort danach aber eine 500mg-Dosis Ciprofloxacin verabreichen. Unterstützend ausgiebige Flüssigkeitszufuhr und (aufgrund der häufigen, passageren Lactoseintoleranz) Verzicht auf Milchprodukte.

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