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Burnout: Nur eine Modediagnose?

StrickDas Thema Burnout ist derzeit in den Medien ubiquitär präsent, wo es vorzugsweise als Folge beruflichen Überengagements und/oder als Nebenwirkung aktueller (Fehl-)Entwicklungen in der Arbeitswelt diskutiert wird. Am Beispiel von Burnout lässt sich prägnant explizieren, in welchem Maße medizinische Wissenschaft und therapeutische Konzepte die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit und Gesellschaft spiegeln: Eine Standortbestimmung von Psychiatrie und Psychotherapie zwischen Methodologie und Gesellschaft.

Ist „Burnout“, als ein psychische und psychosomatische Aspekte bezeichnender Begriff, nicht schon aufgrund des darin anklingenden Bildes selbstevident? „Wer je ein ausgebranntes Haus gesehen hat, der weiß, wie verheerend so etwas ist“ – so brachte es der deutsch-amerikanische Psychotherapeut Herbert Freudenberger, der durch seinen 1974 erschienenen Aufsatz „Staff Burn-Out“ (Journal of Social Issues, 30, 159–165) in unserem Kontext als Entdecker des Phänomens gelten kann, auf den Punkt. Darüber hinaus ist das Thema derzeit in den Medien ubiquitär präsent, wo es vorzugsweise als Folge beruflichen Überengagements („Es trifft gerade die Besten …“) und/ oder als Nebenwirkung aktueller (Fehl-)Entwicklungen in der Arbeitswelt diskutiert wird. Bei alledem ist Burnout im Bewusstsein vieler „Betroffener“, die sich entsprechend selbst diagnostizieren und darin von einfühlenden Ärzten und Therapeuten bestätigt werden, fest verankert.

Burnout: State of the Art, Art of the State?

Vor diesem Hintergrund, der sich weitgehend jenseits der psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachwelt entwickelt hat, ginge jede wissenschaftliche Diskussion, etwa zu der Frage, ob Burnout als Diagnose hinreichend tragfähig ist und wie gegebenenfalls ein damit bezeichnetes Störungsbild spezifisch zu behandeln sei, am Kern der Sache vorbei. „Burnout“ hat sich zwischenzeitlich zu einer manifesten sozialen Wirklichkeit entwickelt, die ihrerseits auf die Fachwelt zurückwirkt. Obgleich Burnout entsprechend dem ICD-10-Klassifikationssystem der WHO keine definierte (F-)Diagnose ist, sondern sich hier nur als (undefinierte) Zusatzkodierung (Z 73 – Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung) findet, wird eben diese „Diagnose“ in großer Zahl von Allgemeinwie Fachärzten gestellt. Im ambulanten wie stationären Setting werden Burnout-Behandlungen offeriert, Experten konzipieren diesbezüglich elaborierte Behandlungskonzepte, und Fachgesellschaften zeigen sich bemüht, Burnout in tradierten psychiatrischen Konzepten zu subsumieren.
Am Beispiel von Burnout lässt sich somit prägnant explizieren, in welchem Maße medizinische Wissenschaft und therapeutische Konzepte eben auch die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit und Gesellschaft spiegeln respektive, dass sich aus solchen Interaktionen mitunter Dynamiken entwickeln, die eher sozialwissenschaftlich denn ausgehend von naturwissenschaftlichen Kriterien nachvollzogen werden können.

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