
In guten wie in schlechten Zeiten
Heuer jährt sich meine Promotion zum dreißigsten Mal. Das macht mich zur alten Schachtel.

Zu einer, die immer noch fest überzeugt ist, dass sie den wunderbarsten Job der Welt hat. Mit einem solchen Job ist es ein bisschen wie mit einer Ehe: «In guten wie in schlechten Zeiten.» Mit den Jahren trübt sich die Begeisterung ein wenig, das Interesse, ständig noch mehr Neues zu lernen, lässt nach und so etwas wie Betriebsmüdigkeit legt sich an schlechten Tagen über die Seele. Auf der anderen Seite sind da Routine, Lebenserfahrung und eine gewisse Gelassenheit. In den letzten Jahren wird es aber immer schwieriger mit der Liebe zum wunderbarsten aller Jobs.
Zum einen machen Kürzungen vonseiten der Kassen nicht gerade Freude. Wie soll ich den Patienten erklären, dass es ab heuer kein D3 mehr gibt? Sie dürfen es sich selber zahlen, wenn sie wissen wollen, ob die Substitutionsdosis ausreicht oder gar zu viel ist. Dafür erzählt mir eine Freundin, die bei der Kasse arbeitet, dass sie jetzt nach soundso vielen Dienstjahren entweder Extragehälter oder Sabbaticalmonate bekommt. Ich hoffe, dass das aus eigenen angesparten Geldern finanziert wird und nicht aus den Sozialversicherungsbeiträgen der Patienten und ihrer Arbeitgeber. Aber eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen.