Pathologen dringend gesucht
In Österreich mangelt es an Pathologinnen und Pathologen. Die Berufsgruppe ist überaltert und überlastet. Das Berufsbild müsse attraktiver werden, um dringend benötigte Nachwuchskräfte anzuziehen, fordern die Österreichische Ärztekammer und die Gesellschaft für Pathologie.

Die Pathologie arbeitet im Hintergrund des Gesundheitssystems und ist daher für die Öffentlichkeit nur wenig sichtbar. Dennoch hatten die meisten Menschen schon damit zu tun, etwa im Zusammenhang mit Vorsorgeuntersuchungen oder Operationen, in deren Rahmen Abstriche oder Gewebeproben entnommen und dann untersucht werden. Viele würden die Pathologie auch mit der Gerichtsmedizin verwechseln. „Dabei beschäftigt sich die Pathologie in 98% aller Fälle mit den Lebenden“, stellt Dr. Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), richtig.
Pathologen spielen bei der Früherkennung, Diagnostik, gezielten Therapien (z.B. Immunhistochemie) und Therapiekontrollen eine tragende Rolle. Zudem sind sie besonders in der Onkologie von zentraler Bedeutung. Sie treffen v.a. in der Diagnostik wichtige Entscheidungen. Damit tragen sie auch eine große Verantwortung bei der Vorsorge, im Spitalsbetrieb und im Gesundheitssystem insgesamt.
Überalterung und Verlust von Expertise
In Österreich bestehen in der Pathologie jedoch massive Strukturprobleme. Derzeit sind 365 Ärztinnen und Ärzte in diesem Fach beschäftigt. Es fehlen aber rund 150 Pathologen im System, besonders im Westen Österreichs. Problematisch ist die Altersstruktur. 16% der Pathologen sind bereits über 65 Jahre alt, 17% zwischen 60 und 65, während die Altersgruppe zwischen 25 und 45 stagniert. Das Durchschnittsalter beträgt 53,17 Jahre. Damit verliere das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren nicht nur eine große Zahl von Experten, sondern es gehe auch sehr viel Expertise unwiederbringlich verloren, warnt Dr. Steinhart. Daher müssten dringend Maßnahmen gesetzt werden, um weitere Engpässe zu vermeiden. Denn es brauche schließlich auch geraume Zeit, bis sie ihre Wirkung entfalten.
Mangelnde Sichtbarkeit der Pathologie
Univ.-Prof. Dr. Eva Maria Compérat, Präsidentin des Österreichischen Gesellschaft für Klinische Pathologie und Molekularpathologie (ÖGPath) sowie Professorin für Urologische Pathologie an der MedUni Wien, bedauert, dass derzeit von den 160 Ausbildungsplätzen für Pathologie nur etwa die Hälfte besetzt ist. Ihrer Meinung nach hat das vor allem damit zu tun, dass das Berufsbild zu wenig Sichtbarkeit hat. Außerdem komme das Fach auch in der Ausbildung zu kurz.
Gute und abwechslungsreiche Arbeitsbedingungen
Dabei ist die Pathologie ein attraktives Fach. Es ist ein familienfreundlicher Beruf mit planbaren Arbeitszeiten (weitgehend ohne Nacht- und Wochenenddienste). Zudem sind je nach Interesse viele verschiedene Spezialisierungen möglich (Haut, Gynäkologie, Urologie etc.). Außerdem sind Pathologen Teamplayer, die eng mit Technikern, biomedizinischen Analytikern und Fachärzten in der Klinik zusammenarbeiten, etwa bei der Untersuchung von Blut- oder Gewebeproben oder in Tumorboards.
Insgesamt steigen die Anforderungen in der Pathologie durch höhere Spezialisierung und bessere Früherkennung, und damit steigt auch der Arbeitsaufwand, der von einer alternden Berufsgruppe erledigt werden muss. „Einige von uns werden am Mikroskop versterben“, merkt Prof. Compérat ironisch an.
Unterstützung durch KI und mehr Wertschätzung
Die Künstliche Intelligenz könnte in einigen Bereichen Hilfestellung bieten. „Algorithmen können große Datenmengen in kurzer Zeit verarbeiten, Muster erkennen und so bei Analyse und Diagnostik unterstützen. Andererseits ist die KI nicht überall einsetzbar und benötigt qualifiziertes Personal, Technik und Speicher, die beschafft und finanziert werden müssen“, gibt die ÖGPath-Präsidentin zu bedenken.
Sie wünscht sich mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die Pathologie: „Die Öffentlichkeit und alle Systempartner sollten sich dessen bewusst werden, wie groß der Beitrag ist, den Pathologen für die Gesundheitsversorgung leisten.“
Pressekonferenz der Ärztekammer „Pathologie unter Druck – welche Folgen drohen?“, Wien, Juni 2026
