25. Apr. 2023Suchterkrankungen

Alternativen zu Abstinenz, um Gesundheitsrisiken zu senken

Schadensminimierung („Harm Reduction“) wird in vielen Bereichen der Medizin angewandt – allerdings nicht, wenn es um den schädlichen Tabakkonsum geht.

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Methadon ist eine aus medizinischer Sicht bedenkliche Substanz. Sie birgt ein hohes Suchtpotenzial und ist mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, unter anderem Atembeschwerden, niedrigem Blutdruck oder – in seltenen Fällen – Herzrhythmusstörungen. Trotzdem wird Methadon tagtäglich in der Substitutionstherapie eingesetzt, bei der Opiatabhängige – statt illegaler Opiate wie Heroin – legale, ärztlich verschriebene Ersatzsubstanzen erhalten. Denn für die Betroffenen, aber auch für das Gesundheitssystem und für die Gesellschaft, ist die kontrollierte Gabe von Methadon um ein Vielfaches besser als die unkontrollierte Selbstintoxikation mit Heroin. Die Patientinnen und Patienten können ihre Abhängigkeit unter Kontrolle bringen, sind nicht mehr auf die fragwürdigen und teuren Angebote des illegalen Drogenmarktes angewiesen, die Gefahr der Infektion mit HIV oder Hepatitis sinkt, eine potenziell tödliche Überdosierung ist bei der kontrollierten Gabe von Methadon nicht möglich, Beschaffungskriminalität und Geheimprostitution gehen zurück.

Substitutionstherapie als Paradebeispiel für Harm Reduction

Die Substitutionstherapie ist ein Paradebeispiel für das Prinzip der Schadensminimierung („Harm Reduction“): Wenn jemand nicht von einem schädlichen Verhalten abgebracht werden kann, dann soll man wenigstens versuchen, die damit verbundenen Risiken und Gesundheitsgefährdungen auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Auch bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit hat dieses Prinzip in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Wenn ein Abhängiger nicht in der Lage oder willens ist, völlige Abstinenz zu erreichen, dann wird in bestimmten Fällen versucht, zumindest eine Dosisreduktion zu erreichen. „In vielen Bereichen der Medizin wird im Grunde Harm Reduction betrieben: Die Einstellung des Blutzuckerspiegels bei Menschen mit Diabetes oder die Senkung des Blutdrucks bei Hypertonie bringt ja auch keine Heilung mit sich, sondern dient dazu, mögliche Folgeschäden hintanzuhalten“, erklärt Dr. Ernest Groman, Leiter des Nikotin Instituts in Wien. Jedoch ausgerechnet auf jenem Feld, auf dem der Suchtmediziner tätig ist, bleibt das Prinzip der Schadensminimierung außen vor: bei der Rauchentwöhnung.

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