
UPF: Frühe Ernährung prägt die Gesundheit langfristig
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) liefern in vielen Industrieländern inzwischen mehr als die Hälfte der täglichen Energieaufnahme von Kindern und Jugendlichen. Ein aktuelles narratives Review zeigt, dass ein hoher UPF-Konsum während Schwangerschaft, Kindheit und Jugend mit Übergewicht, metabolischen Erkrankungen, Asthma, Allergien und Karies assoziiert ist.

Die Ernährung in den ersten Lebensjahren beeinflusst die Gesundheit weit über die Kindheit hinaus. Nach den Erkenntnissen des aktuellen narrativen Reviews von Capra et al. beginnt dieser Einfluss bereits während der Schwangerschaft. Italienische Forschende verweisen auf das Konzept der „Developmental Origins of Health and Disease“ (DOHaD), wonach Ernährung und Umweltfaktoren in den ersten 1.000 Lebenstagen die spätere Krankheitsanfälligkeit nachhaltig beeinflussen können.
Ultrahochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) sind nach der NOVA-Klassifikation industriell hergestellte Produkte, die überwiegend aus raffinierten Inhaltsstoffen bestehen und zahlreiche Zusatzstoffe enthalten. Sie zeichnen sich durch eine hohe Energiedichte, einen hohen Gehalt an freien Zuckern, gesättigten Fettsäuren und Natrium sowie einen geringen Anteil an Ballaststoffen und Mikronährstoffen aus.
Ihr Anteil an der täglichen Energieaufnahme variiert weltweit erheblich. Während er in Italien bei rund 10% liegt, erreichen Kinder und Jugendliche in den USA inzwischen Werte von bis zu 58%.
Wichtig ist das familiäre Ernährungsumfeld
Das Review zeigt, dass Ernährungsgewohnheiten bereits früh durch familiäre und soziale Faktoren geprägt werden. Längeres Stillen, gemeinsame Familienmahlzeiten und eine höhere Ernährungskompetenz der Eltern gehen mit einem geringeren Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel einher.
Umgekehrt fördern eine frühe Einführung industriell verarbeiteter Beikost, lange Bildschirmzeiten sowie ein hoher UPF-Konsum der Eltern entsprechende Ernährungsgewohnheiten der Kinder. Die Autorinnen und Autoren betonen deshalb die zentrale Bedeutung des familiären Ernährungsumfeldes für die Prävention.
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Forschenden der Schwangerschaft. Mehrere Kohortenstudien legen nahe, dass ein hoher mütterlicher UPF-Konsum mit ungünstigen Auswirkungen auf die Nachkommen assoziiert sein könnte. Beschrieben werden Zusammenhänge mit einer beeinträchtigten neurologischen Entwicklung, einer erhöhten Adipositasneigung sowie immunologischen Erkrankungen wie der atopischen Dermatitis. Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings auch darauf hin, dass die Evidenz hinsichtlich klassischer Geburtsparameter wie Geburtsgewicht oder Frühgeburtlichkeit bislang uneinheitlich bleibt.
Biologische Mechanismen
Als mögliche biologische Mechanismen diskutieren sie Defizite essenzieller Nährstoffe wie DHA, EPA, Cholin oder Eisen, oxidativen Stress, chronische Entzündungsprozesse sowie Veränderungen der Darmmikrobiota. Zusätzlich könnten Lebensmittelzusatzstoffe und Nanopartikel neuroinflammatorische Prozesse fördern und dadurch die fetale Entwicklung beeinflussen.
Übergewicht im Kindesalter
Besonders umfangreich fällt die Evidenz zum Zusammenhang zwischen UPF-Konsum und Übergewicht im Kindesalter aus. Mehrere prospektive Studien zeigen übereinstimmend, dass ein hoher Verzehr mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Adipositas verbunden ist.
Neben Adipositas beschreiben die Autorinnen und Autoren Zusammenhänge mit weiteren Komponenten des metabolischen Syndroms wie Dyslipidämie, Insulinresistenz und Hypertonie. Insgesamt spreche die Evidenz dafür, dass ultrahochverarbeitete Lebensmittel bereits im Kindesalter zur Entwicklung kardiometabolischer Risikoprofile beitragen können.
Körperliche Aktivität bleibe zwar ein wesentlicher Schutzfaktor, ihre positiven Effekte könnten durch einen dauerhaft hohen UPF-Konsum jedoch teilweise abgeschwächt werden.
Auch jenseits metabolischer Erkrankungen werden gesundheitliche Folgen diskutiert. Mehrere Studien bringen einen hohen Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel mit Asthma, atopischer Dermatitis, allergischer Rhinitis und Nahrungsmittelallergien in Verbindung. Als zugrunde liegende Mechanismen nennen Capra et al. Veränderungen der Darmmikrobiota, eine erhöhte intestinale Permeabilität sowie immunologische Fehlregulationen durch Emulgatoren, künstliche Süßstoffe und andere Zusatzstoffe.
Erhöhtes Risiko für Karies
Darüber hinaus weist das Review auf den Einfluss stark verarbeiteter Lebensmittel auf die Mundgesundheit hin. Aufgrund ihres hohen Zuckergehalts und ihrer häufig klebrigen Konsistenz fördern sie die Säurebildung durch orale Bakterien und erhöhen damit das Risiko für Karies.
Trotz der insgesamt konsistenten Evidenz mahnen die Autorinnen und Autoren zu einer differenzierten Betrachtung.
Nicht alle Lebensmittel der NOVA-Gruppe 4 seien automatisch gesundheitsschädlich. Neuere Untersuchungen bei Erwachsenen deuten darauf hin, dass sich einzelne Untergruppen ultrahochverarbeiteter Lebensmittel hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Auswirkungen deutlich unterscheiden können.
Insbesondere pflanzenbasierte Alternativen und einige Frühstückszerealien zeigten in epidemiologischen Studien teilweise günstigere Assoziationen als stark verarbeitete tierische Produkte. Ob sich diese Beobachtungen auch auf Kinder übertragen lassen, müsse jedoch erst untersucht werden.
Als Limitation nennen die Forschenden die verfügbare Evidenz. Diese stammt überwiegend aus Beobachtungsstudien und erlaubt daher keine gesicherten kausalen Schlussfolgerungen. Zudem unterscheiden sich die Studien hinsichtlich Definition der UPF, Ernährungserhebung und Endpunkte erheblich.
Capra ME et al., Ultra-processed food consumption across early life: implications for pediatric health and disease risk. Frontiers in Nutrition 2026; 13: 1806903. doi: 10.3389/fnut.2026.1806903
