
Ökonomische Folgen von Asthma
Asthma hat erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Wie stark sich diese chronische Atemwegserkrankung auf die globale Wirtschaftsleistung auswirkt, hat nun ein chinesisches Team untersucht und in The Lancet Respiratory Medicine publiziert. Die Modellanalyse für 154 Länder und Territorien zeigt: Die globale Wirtschaftsleistung könnte bis 2050 um rund 863 Milliarden US-Dollar sinken.

Asthma ist die weltweit eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankung, betrifft Menschen jeden Alters und verursacht somit neben der gesundheitlichen auch eine erhebliche wirtschaftliche Belastung. Wie hoch diese langfristig ausfallen könnte, haben Zhong Cao und Kolleginnen und Kollegen in einer globalen Modellanalyse untersucht.
Die Forschenden bezogen 154 Länder und Territorien ein, die zusammen rund 93% der Weltbevölkerung repräsentieren. Sie verknüpften epidemiologische, demografische und makroökonomische Daten. Das Ziel war, die Auswirkungen von Asthma auf Arbeitsangebot, Produktivität, Ersparnisse, Investitionen und Kapitalbildung bis zum Jahr 2050 abzuschätzen (1).
Das Ergebnis fällt deutlich aus. Für den Zeitraum 2025 bis 2050 errechnete das Modell einen kumulierten wirtschaftlichen Verlust von rund 863 Milliarden US-Dollar (2024 US-Dollar; 95%-Unsicherheitsintervall [UI] 615–1.396 Milliarden). Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,036% (95%-UI 0,026–0,058) beziehungsweise 99 US-Dollar (71–160) pro Person.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihre Berechnung nicht lediglich direkte Behandlungskosten oder krankheitsbedingte Arbeitsausfälle erfasst. Das Modell berücksichtigt vielmehr auch die langfristigen Folgen von Morbidität und vorzeitiger Mortalität für das Arbeitsangebot sowie den Einfluss von Gesundheitsausgaben auf Ersparnisse und Investitionen. Dazu verglichen sie die projizierte wirtschaftliche Entwicklung unter der erwarteten Asthma-Belastung mit einem theoretischen Szenario, in dem die gesundheitlichen Folgen von Asthma zu Beginn des Beobachtungszeitraums vollständig entfielen. Die daraus resultierende Differenz der Wirtschaftsleistung definierte die ökonomische Belastung.
USA mit Abstand am stärksten betroffen
Die absoluten wirtschaftlichen Verluste unterschieden sich erheblich zwischen den Ländern. Die USA wiesen mit geschätzten 471 Milliarden US-Dollar (95%-UI 371–655 Milliarden) die mit Abstand höchste Belastung auf. Es folgten das Vereinigte Königreich mit 45 Milliarden US-Dollar (28–84 Milliarden) und China mit 44 Milliarden US-Dollar (27–81 Milliarden).
Auch auf regionaler Ebene entfiel der größte Anteil auf Nordamerika. Die Forschenden errechneten dort insgesamt 485 Milliarden US-Dollar (380–682 Milliarden), entsprechend 0,075% (0,059–0,106) des regionalen BIP und 1.200 US-Dollar (940–1.686) pro Kopf. Europa und Zentralasien folgten mit 182 Milliarden US-Dollar (112–348 Milliarden), Ostasien und Pazifik mit 110 Milliarden US-Dollar (71–200 Milliarden).
Die hohen absoluten Kosten in den USA erklären die Autorinnen und Autoren unter anderem mit der Kombination aus hoher Prävalenz, unzureichender Asthmakontrolle sowie hohen medizinischen und arbeitsbezogenen Kosten. Nach den im Beitrag angeführten Daten leben dort mehr als 25 Millionen Menschen mit Asthma. 62% der Erwachsenen mit Asthma berichteten 2019 über unkontrollierte Symptome.
Deutliche Unterschiede je nach Einkommen
Besonders deutlich waren die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen. Auf Länder mit hohem Einkommen entfielen 712 Milliarden US-Dollar (525–1.105 Milliarden) und damit 82,5% der globalen modellierten Kosten. Länder mit niedrigem Einkommen kamen dagegen auf insgesamt 5 Milliarden US-Dollar (2–11 Milliarden) beziehungsweise 6 US-Dollar (3–13) pro Person.
Die Unterschiede spiegeln jedoch nicht die Größe der gesundheitlichen Asthmabelastung wider. 2025 entfielen beispielsweise auf Südasien 6,9 Millionen Disability-adjusted Life-Years (DALYs), entsprechend 35,6% der weltweit geschätzten 19,5 Millionen DALYs. Der Anteil der Region an den für 2025 bis 2050 projizierten wirtschaftlichen Kosten betrug dagegen lediglich 3,1% beziehungsweise 27 Milliarden US-Dollar.
In Ländern mit niedrigem und niedrigerem mittlerem Einkommen entfielen bis 2050 jeweils etwa 85,1% der wirtschaftlichen Belastung auf arbeitsbezogene Verluste. In Ländern mit hohem Einkommen machten dagegen Einbußen bei der Akkumulation von physischem Kapital 47,2% der Gesamtkosten aus.
Prävention könnte einen Teil der Belastung vermeiden
Zusätzlich berechneten die Forschenden ein Szenario für den vermeidbaren Anteil der Asthmabelastung. Dafür reduzierten sie die Mortalität und die verlorenen Lebensjahre auf ein Drittel des Ausgangswerts und die Jahre mit krankheitsbedingter Einschränkung auf 70%. Grundlage waren unter anderem frühere Schätzungen zur Vermeidbarkeit von Asthmatodesfällen und modifizierbaren Risikofaktoren.
Unter diesen Annahmen belief sich die vermeidbare wirtschaftliche Belastung weltweit auf 549 Milliarden US-Dollar (95%-UI 464–725 Milliarden), entsprechend 0,023% (0,019–0,030) des globalen BIP beziehungsweise 63 US-Dollar (53–83) pro Person.
Die Autorinnen und Autoren weisen zugleich ausdrücklich darauf hin, dass das Szenario lediglich als theoretischer Referenzpunkt dient. Nicht die gesamte geschätzte Belastung dürfte in der Praxis vermeidbar sein. Zudem beruhen die Ergebnisse auf Projektionen. Sie sind damit von Annahmen über die künftige Entwicklung von Krankheitslast, Demografie, Arbeitsmarktbeteiligung und Wirtschaft abhängig.
Limitationen
Weitere Limitationen betreffen die fehlende Berücksichtigung bestimmter sozialer Folgen, etwa Auswirkungen auf betreuende Angehörige oder die Lebensqualität. Das Modell differenziert zudem nicht nach Asthmaschweregrad oder nach Verläufen im Kindes- und Erwachsenenalter.
Unterschiede bei Arbeitsmärkten und Versicherungssystemen konnten wegen fehlender vergleichbarer Daten zwischen den Ländern ebenfalls nicht vollständig abgebildet werden.
Schließlich messen die Ergebnisse ausschließlich Verluste der Wirtschaftsleistung und erfassen damit keine Wohlfahrtsverluste außerhalb der Marktproduktion. Nach Einschätzung der Forschenden könnten die berechneten Werte daher eher eine Untergrenze der tatsächlichen Kosten von Asthma darstellen.
- Cao Z et al., Global economic burden attributable to asthma, 2025–50: a global modelling analysis of 154 countries and territories. Lancet Respir Med 2026; doi: 10.1016/S2213-2600(26)00144-X