Neue Empfehlungen zur Hautkrebs-Früherkennung
Da das bisher in Österreich praktizierte ungezielte Screening zur Früherkennung von Hautkrebs als nicht zielführend erachtet wird, hat die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) Empfehlungen ausgearbeitet, die einen risikobasierten Ansatz verfolgen.

In Österreich gab es bisher weder ein organisiertes Hautkrebs-Screening noch einheitliche Empfehlungen zur Hautkrebs-Früherkennung bei hautgesunden Personen. Allerdings ließen viele Menschen ein jährliches Ganzkörper-Screening (Muttermalkontrolle) durchführen, was aber wissenschaftlich nicht unbedingt die beste Lösung ist.
In den letzten zehn Jahren wurde das ungezielte Hautkrebs-Screening zunehmend infrage gestellt, da es die Sterblichkeit nicht senkt, wie internationale Daten zeigen. Ziel sollte vielmehr ein einheitliches strukturiertes risikoadaptiertes Screening sein.
Ressourcen besser nutzen
„Risikobasiert bedeutet nicht weniger Medizin. Es bedeutet die richtige Medizin für die richtigen Menschen zur richtigen Zeit“, unterstreicht Dr. Manfred Fiebiger, Bundesfachgruppen-Obmann Dermatologie, Salzburg. Er kritisiert das derzeitige „Gießkannenprinzip“, bei dem jeder ungeachtet des individuellen Risikos zur Hautkrebs-Vorsorge geht. Die falschen Leute würden die dermatologischen Praxen blockieren, während dringende Fälle lange auf Termine warten müssten. Es seien einfach nicht genügend Ressourcen vorhanden, in Niederösterreich seien etwa zwölf Kassenstellen in der Dermatologie unbesetzt.
Konsensuspapier der ÖGDV
„Daher hat sich die Fachgesellschaft für Dermatologie entschlossen, etwas zu tun und eine Struktur auszuarbeiten, um Hautkrebs früh zu erkennen“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) und Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten. Es wurde eine Expertengruppe zusammengestellt und ein Konsensuspapier zur Hautkrebsvorsorge erarbeitet.
Die Ziele des Expertenkonsensus sind die Entwicklung von risikoadaptierten Empfehlungen zur Hautkrebs-Früherkennung (siehe Kasten), die regelmäßige Untersuchung der richtigen Personengruppen und damit eine höhere Trefferquote sowie langfristig die Sicherstellung einer einheitlichen Refundierung der Untersuchungen in allen Bundesländern, wie Prof. Priv.-Doz. DDr. Peter Kölblinger, Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie Salzburg, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, erläutert.
„Wir übernehmen hier eine Vorreiterrolle, indem wir erstmals wissenschaftlich fundierte Empfehlungen im Sinne eines risikoadaptierten Screenings ausgearbeitet haben, was auch international empfohlen, aber noch nirgendwo umgesetzt wurde“, so Prof. Kölblinger.
Die Kernpunkte des Konsensus umfassen besseren Sonnenschutz, Selbstuntersuchung und ärztliche Abklärung bei Auffälligkeiten, eine Basisuntersuchung zur Abschätzung des Risikos ab dem 18. Lebensjahr und eine weitere Untersuchung zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr zur Reevaluierung des Risikoprofils. Zentral ist der risikobasierte Ansatz: Menschen mit erhöhtem Risiko sollen regelmäßig, alle eine bis zwei Jahre, hautfachärztlich nachkontrolliert werden.
Weiteres Vorgehen
Was den Zeitplan zur Umsetzung des Konsensuspapiers betrifft, äußert sich Prof. Trautinger positiv: „Der Konsensus liegt auf dem Tisch, wir sind mit den Stakeholdern in Kontakt. Die Refundierung ist ein großer Punkt, der noch aussteht. Die Empfehlungen könnten in den nächsten Monaten umgesetzt werden.“ Der Konsensus ist ein Startpunkt für eine strukturierte, österreichweit einheitliche und regelmäßig evaluierte Hautkrebs-Früherkennung.
Dr. Fiebinger meint, dass bei den Themen Sonnenschutz und Selbstuntersuchung „noch viel Luft nach oben“ sei und noch viel Aufklärungsarbeit nötig wäre. Für die Selbstuntersuchung gibt es bereits Anleitungen in der Krebshilfe-Broschüre „Sonne ohne Reue“, aber es ist noch weiteres Informationsmaterial geplant.
Teledermatologie kann entlasten, Apps eher nicht
Zu einer Entlastung der Dermatologen kann auch die Teledermatologie beitragen. Der Hausarzt kann auflichtmikroskopische Fotos von Hautveränderungen eines Patienten an den Dermatologen zur Abklärung senden. Es gibt hierzu bereits funktionierende Modelle in der Steiermark und in Tirol.
Patienten schicken auch zunehmend eigene Handyfotos von verdächtigen Hautveränderungen an die Ärzte zu einer ersten Einschätzung. Laut Prof. Trautinger funktioniere das bei Melanomen recht gut, nicht jedoch bei weißem Hautkrebs. Von Apps, die Hautkrebs erkennen können, raten die Experten jedoch ab, sie seien nicht treffsicher, würden oft falsch-positive Ergebnisse liefern und Patienten verunsichern.
Zu wenige Daten vorhanden
Insgesamt sind in Österreich zu wenige und zu ungenaue Zahlen zur Inzidenz von Hautkrebs vorhanden. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung ist ein Anstieg von weißem Hautkrebs zu verzeichnen, da bei der älteren Generation Sonnenschutz kein Thema war. Die Mortalität geht allerdings infolge von wirksameren (Immun-)Therapien zurück. Für die Zukunft erwartet man durch höhere Awareness und bessere Vorsorgemaßnahmen einen Rückgang der Hautkrebs-Erkrankungen.
Empfehlungen zur Hautkrebs-Früherkennung in Österreich
- 1) Primärprävention soll weiter gestärkt werden, d.h.
- Sonnenschutz (UV-protektive Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnenschutzmittel mindestens LSF 30 und UVA-Label)
- ab mittelgradigem UV-Index,
- keine direkte Sonnenexposition in der Mittagszeit,
- kein Besuch von Solarien.
- 2) Selbst-/Partneruntersuchung der Haut bei Erwachsenen alle 3–6 Monate. Wenn es Auffälligkeiten gibt, soll eine ärztliche Begutachtung erfolgen. Derzeit gibt es keine Empfehlung für Smartphone-Apps.
- 3) Eine ärztliche Basisuntersuchung bei Erwachsenen zur Einschätzung des Melanomrisikos wird empfohlen. Wenn der Befund unauffällig ist (niedriges Risiko), sind keine weiteren Routineuntersuchungen bis zum 50. Lebensjahr vorgesehen.
- 4) Da das Hautkrebsrisiko (Melanom und Basalzellkarzinom / Plattenepithelkarzinom) mit zunehmendem Alter ansteigt, wird zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr eine nochmalige ärztliche Untersuchung der gesamten Haut und eine Reevaluierung des Risikoprofils empfohlen. Bei niedrigem Risiko sind keine weiteren ärztlichen Untersuchungen, aber weiterhin Selbst-/Partneruntersuchungen empfohlen.
- 5a) Regelmäßige Untersuchung von Risikogruppen mit erhöhtem Melanomrisiko durch den Hautarzt zur Melanomfrüherkennung wird empfohlen. Risikogruppen sind:
- Personen mit Hauttyp I,
- mit >60 erworbenen Nävi, >4 atypischen Nävi,
- Melanomen in der Eigenanamnese,
- familiären Melanomen,
- Z.n. aktinischer Keratose bzw. kutanem Plattenepithelkarzinom oder Basalzellkarzinom,
- Immunsuppression nach Organtransplantation.
- 5b) Die hautfachärztliche Untersuchung zur Melanomfrüherkennung soll zumindest eine visuelle Ganzkörperuntersuchung und eine dermatoskopische Begutachtung ausgewählter Hautveränderungen beinhalten.
- 6) Bei Zufallsbefund oder Erstdiagnose eines Basalzellkarzinoms oder eines kutanen Plattenepithelkarzinoms wird routinemäßig die zusätzliche Untersuchung des gesamten Integuments empfohlen.
- 7) Hinsichtlich der Berufskrankheit „Plattenepithelkarzinom der Haut oder aktinische Keratose“ wird die Erstellung eigenständiger österreichweiter Empfehlungen für beruflich UV-exponierte Personen noch ausgearbeitet. Bis dahin wird hinsichtlich der Hautkrebsfrüherkennung bei beruflich UV-exponierten Personen ein Vorgehen gemäß der im Konsensuspapier angeführten Empfehlungen angeraten.
PK der ÖGDV „Hautkrebs-Vorsorge neu gedacht: Mehr Sicherheit durch gezielte Früherkennung“, Wien, 1.7.2026
