10. Aug. 2026Neue Evidenz aus Langzeitkohorte

Kein höheres Diabetesrisiko bei früher Menopause

Frauen, die vor dem 45. Lebensjahr in die Menopause eintreten, haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Das gilt insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig an Diabetes leiden. Aber entwickeln diese Frauen auch häufiger einen Diabetes? Eine aktuelle Kohortenstudie aus Spanien liefert darauf eine klare Antwort.

Average menopause age timeline concept on a paper background with pushpin pined on the number 50. 3D render
Olivier Le Moal/stock.adobe.com

Die hormonelle Umstellung während der Menopause geht mit verschiedenen metabolischen Veränderungen einher, die theoretisch das Diabetesrisiko erhöhen könnten. Dazu zählen unter anderem eine zunehmende Insulinresistenz sowie eine Zunahme des Körperfetts. Bisher fehlten jedoch überzeugende Belege dafür, dass eine frühe Menopause tatsächlich zur Entstehung eines Diabetes führt – eine Evidenzlücke, auf die bereits die europäischen Leitlinien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen aus dem Jahr 2021 hingewiesen hatten.

Vor diesem Hintergrund untersuchten nun spanische Wissenschaftler um Dr. Jose Antonio Quesada von der Miguel Hernández University of Elche, Alicante, das Diabetesrisiko von Frauen mit früher (40–45 Jahre) bzw. vorzeitiger (unter 40 Jahre) Menopause. Die Forscher werteten Daten aus der UK-Biobank-Datenbank von knapp 150 000 menopausalen Frauen mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren aus. Davon traten rund 82% der Frauen nach dem 45.

Lebensjahr in die Menopause ein, etwa 14% zwischen 40 und 45 Jahren und 4% vor dem Alter von 40 Jahren. Bei 5,5% der Frauen war die Menopause chirurgisch herbeigeführt worden infolge einer beidseitigen Entfernung der Eierstöcke.

Vermuteter Zusammenhang nicht bestätigt

Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von rund 14 Jahren entwickelten 6.598 Frauen (4,5%) einen Diabetes. Die überwiegende Mehrheit davon bekamen einen Typ-2-Diabetes. Zunächst schien das Risiko mit früherem Menopausenalter zu steigen. Frauen mit früher (7,4%) oder vorzeitiger (5,2%) Menopause erkrankten häufiger an Diabetes als Frauen mit späterer Menopause (4,2% bei Alter über 45 Jahren).

Zudem war die Diabetesinzidenz bei Frauen mit chirurgisch herbeigeführter Menopause höher als bei Frauen mit natürlicher Menopause. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren – etwa Übergewicht, Rauchen, ungesunde Ernährung, Bluthochdruck oder familiärer Belastung – verschwand dieser Zusammenhang jedoch.

Entscheidend sind klassische Risikofaktoren

Damit zeigte sich: Weder das Alter bei Menopausen-Beginn noch die Art der Menopause sind klinisch oder statistisch signifikant mit dem Auftreten von Diabetes assoziiert. Nach Ansicht der Autoren deuten die Ergebnisse vielmehr darauf hin, dass sich das erhöhte Erkrankungsrisiko vor allem durch die klassischen kardiometabolischen Risikofaktoren erklären lässt, die bei postmenopausalen Frauen häufiger auftreten. Die hormonelle Umstellung selbst scheint dabei nicht relevant zu sein.

Um die komplexen Wechselwirkungen zwischen hormonellen Veränderungen, kardiometabolischen Risikofaktoren und langfristigen Gesundheitsrisiken in dieser Lebensphase besser zu verstehen, sind weitere Studien notwendig.