Früh übt sich, wer nicht allergisch werden will
Nahrungsmittelallergien nehmen weltweit stark zu. Doch welche Faktoren begünstigen ihre Entstehung und welche lassen sich beeinflussen? Eine große Metaanalyse mit Daten von 2,8 Millionen Kindern ging diesen Fragen nach.

IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien kristallisieren sich oft schon im frühen Kindesalter heraus und können akute, lebensbedrohliche Zustände hervorrufen. Es ist wenig darüber bekannt, warum Nahrungsmittelallergien weltweit so stark zunehmen. Um präventive Strategien zu entwickeln, ist es notwendig, die Risikofaktoren zu kennen.
Kanadische Forscher haben daher 190 Studien mit insgesamt 2,8 Millionen Teilnehmern aus 40 Ländern analysiert, um einerseits die Inzidenz von Lebensmittelallergien (durch Provokationstest bestätigt) bis zum Alter von sechs Jahren zu eruieren, andererseits die wichtigsten Risikofaktoren herauszuarbeiten.
Die durchschnittliche Inzidenz von Nahrungsmittelallergien beträgt 4,7%. Australien und USA haben mit 10,2% bzw. 6,9% deutlich höhere, der nahe Osten und Afrika mit 2,4% bzw. 1,8% deutlich niedrigere Inzidenzen.
Gestörte Hautbarriere als Risikofaktor
Die stärksten und zugleich am besten belegten Risikofaktoren sind frühe allergische Manifestationen. So hatten Kinder, die bereits im ersten Lebensjahr an einer Neurodermitis litten, ein nahezu vierfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie (OR 3,88). Auch allergische Rhinitis, Konjunktivitis sowie frühkindliches Giemen gingen mit einem deutlich erhöhten Risiko einher.
Zusätzlich zeigte sich, dass die Schwere der Neurodermitis und eine gestörte Hautbarriere – gemessen anhand des erhöhten transepidermalen Wasserverlusts – die Wahrscheinlichkeit einer Nahrungsmittelallergie stark erhöhen.
Die Annahme, dass die Beeinträchtigung der Hautbarriere eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittelallergenen spielt, wird durch folgende Tatsache bekräftigt: Varianten des Filaggrin-Gens, die mit einem Verlust der Stabilität der Hautbarriere einhergehen, treiben ebenfalls das Risiko für Nahrungsmittelallergien in die Höhe.
Ein weiterer starker Prädiktor für Nahrungsmittelallergien ist die positive Familienanamnese, insbesondere wenn die Mutter und die Geschwister betroffen sind.
Potenziell allergene Nahrungsmittel früh zufüttern
Zu den am besten modifizierbaren Risikofaktoren zählt der Zeitpunkt der Einführung fester Nahrung, insbesondere allergenhaltiger Lebensmittel. Als besonders prädiktiv hat sich die verzögerte Einführung von Erdnüssen (nach dem 12. Lebensmonat) erwiesen.
Ähnliche, wenn auch schwächere Zusammenhänge wurden für Fisch, Eier und Früchte beobachtet. Diese Ergebnisse stützen aktuelle Empfehlungen, mit potenziell allergenen Lebensmitteln nicht zu warten, sondern diese so früh wie möglich in den Ernährungsplan zu integrieren.
Auch die prä-, peri- oder postpartale Antibiotika-Exposition scheint eine Rolle bei der Entwicklung von Nahrungsmittelallergien zu spielen. Werden Antibiotika bereits innerhalb des ersten Monats nach der Geburt gegeben, ist das Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln, sogar um das mehr als Vierfache erhöht.
Einen etwas schwächer belegten Einfluss auf das Risiko einer Nahrungsmittelallergie haben schließlich das (männliche) Geschlecht, die Hautfarbe (Selbstidentifikation), die Art der Entbindung (vaginal vs. Sectio) und die Herkunftsgeschichte der Eltern.
Keinen nennenswerten Einfluss haben hingegen niedriges Geburtsgewicht, Überschreitung des Geburtstermins, Alter der Mutter, Förderung des Stillens und mütterlicher Stress während der Schwangerschaft.
Islam N et al. Risk Factors for the Development of Food Allergy in Infants and Children -
A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Pediatr. 2026; 180(5): 486–499. doi: 10.1001/jamapediatrics.2025.6105
