
Teledermatologie hat Potenzial
Hauterkrankungen betreffen fast ein Drittel der Weltbevölkerung. Gleichzeitig gibt es in manchen Regionen weniger als einen Dermatologen pro Million Menschen. Die digitale Diagnostik gilt daher als Hoffnungsträger, denn sie könnte Wartezeiten verkürzen, Versorgungslücken schließen und dermatologische Expertise auch in abgelegene Regionen bringen. Aber wie zuverlässig ist die Teledermatologie im Vergleich zur persönlichen Untersuchung tatsächlich?

Dieser Frage widmeten sich Wissenschaftler um Dr. Katalin Martyin von der Semmelweis-Universität in Budapest. In ihrer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse werteten die Forschenden insgesamt 139 Studien aus, die teledermatologische Diagnosen mit persönlichen Hautarztbesuchen oder histopathologischen Befunden verglichen.
Analysiert wurden unter anderem
- die Übereinstimmung der Diagnosen,
- Sensitivität bzw. Spezifität,
- Diagnosedauer und
- Patientenzufriedenheit.
Zusätzlich untersuchte das Team Faktoren wie die Art der Teledermatologie (z.B. zeitversetzt oder als Echtzeitvideo), der Kommunikation (direkt vs. indirekt), den Einsatz eines Dermatoskops oder die verwendete Kameratechnik.
Die diagnostische Sicherheit der Teledermatologie lag insgesamt auf dem Niveau der klassischen dermatologischen Untersuchung – sowohl bei alltäglichen Hauterkrankungen als auch beim Hautkrebs-Screening.
Besonders bemerkenswert: Zwischen den verschiedenen teledermatologischen Verfahren zeigten sich keine relevanten Unterschiede. Selbst die vergleichsweise einfache Store-and-Forward-Methode, bei der Bilder und Informationen zeitversetzt übermittelt werden, erzielte vergleichbare Ergebnisse wie die technisch aufwendigeren Echtzeitverfahren. Auch von Patienten selbst mit Smartphones aufgenommene Bilder lieferten zuverlässige Diagnosen – sogar ohne vorherige Schulung.
Diagnosedauer im Schnitt nur 1,05 Minuten pro Fall
Vor allem beim Hautkrebs-Screening überzeugte die Teledermatologie mit ihrer hohen Sensitivität und Spezifität.
Einen zusätzlichen Vorteil brachte der Einsatz eines Dermatoskops. Bei Hautkrebs stieg die diagnostische Übereinstimmung von 67% ohne Dermatoskopie auf 80% mit Dermatoskopie. Der größte Nutzen scheint dabei insbesondere bei nichtmelanozytären Hauttumoren zu liegen.
Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass teledermatologische Diagnosen auch ohne Dermatoskopie insgesamt zuverlässig bleiben.
Die Ergebnisse unterstreichen damit eindrucksvoll, dass die digitale Hautdiagnostik ein leistungsfähiges Instrument zur Früherkennung maligner Hauttumoren einschließlich des malignen Melanoms sein kann.
Auch hinsichtlich der Effizienz schnitt die Teledermatologie besser ab: Die durchschnittliche Diagnosedauer betrug lediglich 1,05 Minuten pro Fall. Gleichzeitig war die Patientenzufriedenheit mit 82% hoch.
Die Ergebnisse verdeutlichen damit das Potenzial der telemedizinischen Hautdiagnostik. Durch ihre breite Anwendbarkeit, hohe diagnostische Sicherheit und geringe technische Hürden könnte sie künftig die dermatologische Versorgung schneller, effizienter und flächendeckender verfügbar machen.
Martyin K et al., Diagnostic accuracy of teledermatology for skin diseases: a systematic review and meta-analysis. Front Med (Lausanne) 2026; 13: 1739592. doi: 10.3389/fmed.2026.1739592