23. Juni 2026Schulung und App mit langfristigem Nutzen

Digitale Hilfe bei Hand- und Fußekzem

Chronische Hand- und Fußekzeme beeinträchtigen Alltag, Beruf und Psyche der Betroffenen. Digitale Lösungen versprechen Entlastung. Eine Studie zeigt, dass die Kombination aus Schulung und App tatsächlich Beschwerden bessert und den Umgang mit der Erkrankung erleichtert.

Man with sick hands, dry flaky skin on his hand with vulgar psoriasis, eczema and other skin diseases such as fungus,
fusssergei/stock.adobe.com

Mit einer Lebenszeitprävalenz von 17% sind Handekzeme eine sehr häufige Hauterkrankung. Sie treten insbesondere bei Menschen auf, die viel manuell arbeiten oder regelmäßig irritativen Stoffen ausgesetzt sind.

Akute Ekzeme zeigen sich mit Bläschen, Papeln oder Ödemen, im chronischen Stadium überwiegen Krusten, Rhagaden und Lichenifikation.Anhaltender Juckreiz, Brennen und Schmerzen erschweren oft feinmotorische Tätigkeiten, was mit beruflichen Einschränkungen verbunden sein kann.

Die Beschwerden können auch Schlaf und Lebensqualität bei Patienten mit Hand- und Fußekzemen erheblich beeinträchtigen. Zudem sind die sozialmedizinischen Auswirkungen groß: Viele Betroffene werden langfristig arbeitsunfähig oder meiden aus Scham soziale Kontakte und öffentliche Aktivitäten.

Oft verpassen die Patientinnen und Patienten den richtigen Zeitpunkt für medizinische Hilfe. Denn die Erkrankung verläuft schubweise und Arzttermine sind meist nicht kurzfristig verfügbar. Der Bedarf an leicht zugänglichen Alternativen, wie digitalen Versorgungsangeboten, ist also groß.

Deutsche Forschende um Dr. Aimée Bruch vom Universitätsklinikum Mannheim entwickelten daher eine spezielle Monitoring-App, die den Patientinnen und Patienten kontinuierliche Unterstützung bieten soll. So können die Betroffenen regelmäßig ihre Haut fotografieren und erhalten telemedizinische Beratung. In einer 60-wöchigen Interventionsstudie haben die Forschenden nun die langfristige Wirksamkeit dieser Maßnahme untersucht.

Weniger Schmerzen, bessere Lebensqualität

An dieser randomisierten Studie nahmen insgesamt 87 Patientinnen und Patienten teil, 43 in der Interventions- und 44 in der Kontrollgruppe. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe besuchten zunächst ein spezielles Schulungsprogramm und erhielten danach Zugriff auf die Studien-App. In Woche 0, 12, 24, 36 und 60 fanden jeweils persönliche Visiten statt.

Die App ermöglichte es den Teilnehmenden, Bilder ihrer Hände und Füße hochzuladen und Fragen zu Schmerzstärke, Juckreiz, Stimmung und Lebensqualität zu beantworten. Eine Chatfunktion stand den Patientinnen und Patienten ebenfalls zur Verfügung, um Kontakt mit ihrem Dermatologen aufzunehmen. Die Kontrollgruppe erhielt keine Schulung, sondern nur die persönlichen Studienvisiten.

Ziel der Studie war es, den Einfluss der App sowie des vorgeschalteten Schulungsprogramms auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität zu untersuchen. Wesentliche Limitationen waren die hohe Abbruchquote der Interventionsgruppe und die nicht getrennt erfassbaren Effekte von Schulungsprogramm und App.

Nach 60 Wochen zeigte sich ein eindeutiges Bild. In beiden Gruppen litten die Probanden seltener an Schmerzen, fühlten sich im Alltag weniger eingeschränkt und berichteten von einer besseren Stimmung. Der Hand Eczema Severity Index (HECSI) reduzierte sich bei allen Teilnehmern signifikant – in der Interventionsgruppe sogar noch stärker. Auch die Lebensqualität (Dermatology Life Quality Index, DLQI) nahm signifikant zu: Besonders ab Woche 36 zeigten die Patienten in der App-Gruppe deutlich bessere Werte.

Die Subgruppenanalyse ergab, dass sich Schmerzen, HECSI und DLQI signifikant verbesserten, wenn die Betroffenen die App weniger als 20% nutzten. Die häufige Nutzung zeigte hingegen keine relevanten Effekte. Eine mögliche Erklärung: Die Betroffenen wollen nicht zu oft an ihre Erkrankung erinnert werden. Auffällig häufig nutzten ältere Frauen die App.

Positiv war auch die hohe Übereinstimmung von App-Daten und den persönlichen Visiten. So korrelierte der von der App errechnete HECSI stark mit den Werten, die bei den persönlichen Visiten erhoben wurde – selbst bei suboptimaler Bildqualität. Die App ist damit eine wertvolle und kosteneffiziente Ergänzung der medizinischen Versorgung, ersetzt jedoch nicht die persönliche ärztliche Betreuung.

Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum derma