TENS ergänzt Physiotherapie bei Fibromyalgie
Bewegung gilt als wichtigste Therapie bei Fibromyalgie – verstärkt bei vielen Betroffenen aber auch die Schmerzen. Die Folge: geringe Therapietreue und anhaltende Einschränkungen im Alltag. Eine aktuelle Studie zeigte nun, dass die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) die bewegungsinduzierten Schmerzen wirksam lindern kann – und das schnell, sicher und anhaltend.

Patienten mit Fibromyalgie leiden an chronischen Schmerzen, Fatigue und eingeschränkter Belastbarkeit. Besonders belastend ist, dass sich die Schmerzen bei Bewegung verstärken und alltägliche Aktivitäten erheblich erschweren. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) wird in der Physiotherapie seit Jahren zur Behandlung verschiedener chronischer Schmerzsyndrome eingesetzt – auch bei Fibromyalgie. Durch die Aktivierung körpereigener schmerzhemmender Mechanismen im zentralen Nervensystem könnte TENS insbesondere bei der für Fibromyalgie typischen gestörten zentralen Schmerzverarbeitung wirksam sein.
Anwendung erfolgte täglich über zwei Stunden
Nun untersuchte eine Studie erstmals unter praxisnahen Alltagsbedingungen, ob TENS zusätzlich zur Physiotherapie bewegungsinduzierte Schmerzen bei Fibromyalgie wirksamer reduziert als Physiotherapie allein. Insgesamt nahmen 384 Patientinnen und Patienten, davon 91% Frauen, aus 28 ambulanten Physiotherapie-Zentren teil. Die Zentren wurden randomisiert entweder einer Standard-Physiotherapie oder einer Kombination aus Physiotherapie und TENS zugeordnet. Die TENS-Anwendung am unteren und oberen Rücken erfolgte täglich über zwei Stunden mit variabler Frequenz (2–125 Hz) und individuell starker, aber angenehmer Intensität. Primärer Endpunkt war die Veränderung bewegungsinduzierter Schmerzen nach 60 Tagen, gemessen in einem standardisierten Bewegungstest.
Allgemeine Krankheitslast signifikant reduziert
Die Ergebnisse waren eindeutig: Die zusätzliche TENS-Therapie führte nach 60 Tagen zu einer signifikant stärkeren Reduktion bewegungsinduzierter Schmerzen als die alleinige Physiotherapie. Der Effekt zeigte sich bereits nach 30 Tagen und blieb über den gesamten sechsmonatigen Beobachtungszeitraum bestehen. Auffällig war zudem ein dosisabhängiger Zusammenhang: Je regelmäßiger TENS angewendet wurde, desto ausgeprägter war die Schmerzreduktion. Insgesamt erreichten 41% der Patientinnen und Patienten eine Schmerzreduktion von mindestens 30%, was als klinisch bedeutsam gilt.
Darüber hinaus verbesserten sich auch Ruheschmerzen, Fatigue, schmerzbedingte Einschränkungen und die allgemeine Krankheitsbelastung signifikant. Auch die subjektive Bewertung sprach klar für TENS: 72% der Teilnehmer berichteten über eine klinische Verbesserung, verglichen mit 51% in der Kontrollgruppe. Nach sechs Monaten empfanden 81% der Anwenderinnen und Anwender TENS weiterhin als hilfreich. Mehr als die Hälfte von ihnen nutzte die Methode täglich.
Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Rund 30% der Teilnehmer berichteten im Verlauf der Studie lediglich über leichte unerwünschte Wirkungen wie Hautreizungen oder Juckreiz.
Dailey DL et al. Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation and Pain With Movement in People With Fibromyalgia - A Cluster Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026; 9(3): e262450. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2450