21. Apr. 2026Schwedische Registerstudie

Harnsäure bei T1D-Neudiagnose als Marker für Komplikationen

Menschen mit Typ-1-­Diabetes (T1D), die bei Diagnose­stellung zusätzlich erhöhte Harnsäure-Werte aufweisen, haben ein signifikant höheres Risiko für Diabetes-bedingte Komplikationen in ihrem Leben. Das belegte eine aktuelle schwedische Studie.

Diabetes Typ 1
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Diabetes-Patientinnen und -Patienten haben trotz optimaler Stoffwechseleinstellung ein deutlich höheres Risiko für mikro- und makrovaskuläre Komplikationen als Personen ohne diese Erkrankung. Neben den etablierten Risikofaktoren wie erhöhtes HbA1c, Hypertonie, Hyperlipid­ämie oder Rauchen dürften auch hohe Harnsäure-Spiegel pathophysiologisch relevant sein.

Ein Team um Katarina Fagher von der Universität in Lund prüfte deshalb einen möglichen Zusammenhang zwischen erhöhten Harnsäure-Werten bei Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes (T1D) und späteren Komplikationen.

In einer populationsbasierten Registerstudie erfassten sie 3.445 Personen im Alter von 15–34 Jahren mit neu diagnostiziertem T1D. Diese Personen verfolgten sie durchschnittlich 19 Jahre nach. Die Forschenden verglichen jede Person mit mindestens einer Komplikation hinsichtlich Diagnosejahr, Alter bei Diagnose, Geschlecht und HbA1c mit Kontrollpersonen ohne Komplikationen.

Hohe Harnsäure-Spiegel als früher Marker

Patientinnen und Patienten, die später Diabetes-bedingte Komplikationen entwickelten (z.B. Nephropathie, KHK, Neuropathie), hatten zum Zeitpunkt der Diabetes-Diagnose signifikant mehr Harnsäure im Blut als jene ohne Komplikationen.

Dieser Zusammenhang bestand schon bei jungen Personen ohne vorherige Herz- oder Nierenerkrankungen. Er blieb in weiterer Folge auch nach Berücksichtigung von HbA1c oder Rauchen bestehen.

Stieg der Harnsäure-Ausgangswert um 1 μmol/l an, erhöhte sich das Komplikationsrisiko um 1%. Patientinnen und Patienten mit den höchsten Ausgangswerten hatten ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko. Alle Personen mit Werten >400 µmol/l bei Diagnosestellung entwickelten Komplikationen im Verlauf.

Hypertonie als Mediator von Komplikationen

Möglicherweise wirkt Harnsäure direkt pathogen. Hohe Harnsäure-Spiegel aktivieren zum einen das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und induzieren so eine Hypertonie, zum anderen tragen sie zur Endotheldysfunktion bei. Da Patientinnen und Patienten mit Komplikationen auch häufiger eine arterielle Hypertonie aufwiesen, scheint Bluthochdruck ebenso ein Mediator von Komplikationen zu sein.

Die Ergebnisse legen nahe, bei neu diagnostiziertem T1D routinemäßig den Harnsäure-Spiegel zu bestimmen, so die Autoren. Somit könne man Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko frühzeitig identifizieren und gezielter betreuen. Ob eine medikamentöse Senkung der Harnsäure das Risiko tatsächlich verringert, muss jedoch weiter untersucht werden.