Omega-3-Fettsäuren ohne Zusatznutzen bei jugendlicher Depression
Die Rolle von Omega-3-Fettsäuren in der Behandlung von Depressionen ist unklar. Eine aktuelle Studie prüfte ihre Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen.

Die Rolle von Omega-3-Fettsäuren in der Behandlung von Depressionen ist unklar. Eine aktuelle Studie prüfte ihre Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen.
Omega-3-Fettsäuren gelten als förderlich für die kardiovaskuläre, neurologische und psychische Gesundheit, weshalb viele Menschen Supplemente einnehmen. Einige Metaanalysen deuten auf positive Effekte bei Erwachsenen hin, während andere Studien keinen Nutzen fanden.
Ein Forscherteam um Dr. Gregor Berger von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich führte eine randomisierte, multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte Studie durch. Sie untersuchten die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei Kindern und Jugendlichen mit moderater bis schwerer Depression (major depressive disorders, MDD).
Drei Viertel der Teilnehmenden waren Mädchen
Die Studie umfasste 257 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren aus fünf psychiatrischen Zentren in der Schweiz, die an moderater bis schwerer Depression litten. Der Schweregrad wurde mit der deutschen Version der Children Depression Rating Scale-Revised (CDRS-R) gemessen, der Durchschnitt lag bei 58,5. Fast drei Viertel der Teilnehmenden (73%) waren Mädchen.
Die Intervention bestand aus einer täglichen Dosis von 1,5g Omega-3-Fettsäuren (1000mg Eicosapentaensäure, 500mg Docosahexaensäure). Die Placebogruppe erhielt mittelkettige Triglyzeride. Beide Gruppen erhielten eine leitliniengerechte Standardbehandlung, einschließlich Psychotherapie und Antidepressiva, falls nötig. Die Studie dauerte 36 Wochen.
Der primäre Endpunkt war der Verlauf der depressiven Symptome, gemessen zu Beginn und nach 6, 12, 24 und 36 Wochen mit der CDRS-R. Sekundäre Endpunkte umfassten Responseraten (≥30% Symptomreduktion), Remission (CDRS-R≤28), selbstberichtete Depressivität, Lebensqualität, Suizidalität, Sicherheit und Bedarf an zusätzlicher Medikation.
Keine Wirksamkeit trotz hoher Adhärenz
Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Symptome in beiden Gruppen deutlich besserten, jedoch ohne signifikanten Unterschied zwischen Omega-3- und Placebogruppe. Auch bei Response- und Remissionsraten gab es keinen Vorteil: Nach 12 Wochen erfüllte etwa ein Drittel die Responsekriterien, und nach 36 Wochen erreichte rund ein Drittel (Verum) bzw. etwas über 40% (Placebo) eine Remission. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei selbstberichteten Symptomen, Lebensqualität oder suizidalen Gedanken.
Die Adhärenz zur Studienmedikation war hoch, bestätigt durch Kapselzählungen und biochemische Messungen. Schwere unerwünschte Ereignisse, einschließlich suizidaler Handlungen, traten in beiden Gruppen auf, standen jedoch nicht im Zusammenhang mit der Medikation.
Die Ergebnisse sprechen gegen den routinemäßigen Einsatz von Omega-3-Supplementen als Zusatztherapie bei Kindern und Jugendlichen mit moderater bis schwerer Depression, folgern die Autoren. Sie weisen darauf hin, dass die Studie den Einfluss von Social-Media-Konsum nicht berücksichtigte. Zukünftige Forschung sollte sich auf klar definierte Subgruppen konzentrieren und moderne psychosoziale Stressoren einbeziehen.
Berger G et al. ω-3 Fatty Acids in Pediatric Major Depressive Disorder A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026; 9(1): e2548703. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.48703
