Effekte von Atemmuskeltraining bei ALS untersucht
Bei Betroffenen mit amyotropher Lateralsklerose /ALS) führt meist ein Versagen der Atemmuskulatur zum Tod. Das Atemmuskeltraining soll ihnen helfen, die Muskulatur zu kräftigen und so die Atemfunktion so lange wie möglich zu erhalten. Eine systematische Übersichtsarbeit hat ergründet, wie es mit der Evidenz dazu steht.

Ein spanisches Forscherteam um Dr. María Jesús Benzo-Iglesias von der Universität Almería untersuchte, ob ein gezieltes Atemmuskeltraining die Muskelkraft die Lungenfunktion von ALS-Patienten verbessern kann. Dazu zogen die Forschenden fünf randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 170 Personen heran. Sie hatten ein Atemmuskeltraining bei ALS-Betroffenen mit körperlicher Bewegung, üblicher Versorgung oder keiner Intervention verglichen.
In der Metaanalyse steigerte das Atemmuskeltraining die Muskelstärke signifikant. Insbesondere die maximalen exspiratorischen (MEP) und inspiratorischen Drücke (MIP) verbesserten sich. Eine der eingeschlossenen Studien legte zudem nahe, dass das Training der Einatemmuskulatur ein Prädiktor für das Überleben von ALS-Betroffenen sein könnte. Auf die forcierte Vitalkapazität oder die Lebensqualität hatte das Atemmuskeltraining in den Studien hingegen keinen Effekt. Das deckt sich laut den Forschenden mit früheren Arbeiten, in denen die gesteigerte Atemmuskelkraft nicht immer zu größeren Lungenvolumina führte. Sie vermuten, dass eine verbesserte Muskelfunktion bei ALS-Betroffenen vor allem das Abhusten und die Sekretmobilisation erleichtert – und damit auch die Atmung. Unerwünschte Wirkungen traten nicht auf.
Die Forschenden schließen daraus, dass ein Atemmuskeltraining bei Menschen mit ALS deren Ventilationsfunktion und Muskelkraft verbessern kann. Auch wenn sie die bisherige Evidenz nach wie vor als limitiert ansehen, hat die Methode für sie Potenzial als adjuvante Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität und des Überlebens.
Besonders eindrücklich war für die Autorinnen und Autoren eine Studie, in der sich der Zustand der Patientinnen und Patienten nach Abbruch der Intervention deutlich verschlechterte. Sie plädieren daher für eine kontinuierliche Fortführung des Trainings. Das trage dazu bei, die Vorteile zu erhalten und das Fortschreiten der respiratorischen Insuffizienz so lange wie möglich hinauszuzögern.
Benzo-Iglesias MG et al., Efficacy of respiratory muscle training in improving pulmonary function and survival in patients with amyotrophic lateral sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Ther Adv Respir Dis 2025; 19: 17534666251346095
