13. März 2026Übersichtsarbeit mit Metaanalyse

Paracetamol in der Schwangerschaft: Kein Hinweis auf Autismus

Immer wieder diskutiert man den Zusammenhang zwischen neuronalen Entwicklungsstörungen und Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft. Jüngst befeuern Aussagen des US-Gesundheitsministeriums zur Autismus-Debatte die Diskussion. Eine Forschergruppe fasst nun die bisherige Evidenz, einschließlich neuerer Studien, in einer Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zusammen.

Paracetamol in der Schwangerschaft
Francesco83/stock.adobe.com

Im September 2025 suggerierten US-Präsident Donald Trump und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. einen möglichen Zusammenhang zwischen pränataler Paracetamol-Exposition und Autismus. Seitdem betrachten einige Ärzte und Schwangere das Schmerzmittel mit erhöhter Vorsicht. Die US-Regierung stützte sich auf eine umstrittene Übersichtsarbeit, die Paracetamol mit neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung brachte. Diese ist jedoch aufgrund erheblicher methodischer Mängel umstritten.

Alle bisherigen Kohortenstudien überprüft

Angesichts der weit verbreiteten Anwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft könnten selbst geringe kausale Effekte auf die neurokognitive Entwicklung erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. Dies veranlasste viele Forscher, die verfügbare Evidenz erneut zu prüfen. Ein europäisches Autorenteam unter der Leitung von Prof. Dr. Francesco D’Antonio von der Universität Chieti untersuchte in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse die Daten zur Assoziation zwischen pränataler Paracetamol-Exposition und drei neurologischen Entwicklungsstörungen:

  • Autismus-Spektrum-Störungen,
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie
  • intellektuelle Beeinträchtigungen.

Die Forscher identifizierten Kohortenstudien, die Schwangerschaften mit und ohne Paracetamol-Einnahme verglichen. Insgesamt 17 Studien flossen in die Metaanalyse ein.

Die Forscher identifizierten Kohortenstudien, die Schwangerschaften mit und ohne Paracetamol-Einnahme verglichen. Insgesamt 17 Studien flossen in die Metaanalyse ein.

Kein Zusammenhang bei Geschwistervergleichen

Da die untersuchten Störungen eine starke familiäre und genetische Komponente aufweisen, bieten Geschwistervergleichsstudien den besten wissenschaftlichen Ansatz. In den zwei großen populationsbasierten Kohortenstudien aus Schweden (2024) und Japan (2025) mit über 270.000 exponierten Kindern fand sich keine Verbindung zwischen pränatalem Paracetamol und

  • Autismus-Spektrum-Störungen (Odds Ratio [OR] 0,98; 95%-KI: 0,93–1,03; p=0,45),
  • ADHS (OR 0,95; 95%-KI 0,86–1,05; p=0,31) oder
  • intellektuellen Beeinträchtigungen (OR 1,11; 95%-KI 0,92–1,34).

Auch bei Einbeziehung der übrigen Kohortenstudien blieb das Bild unverändert. Eine Beschränkung auf Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko oder längerem Nachbeobachtungszeitraum von über fünf Jahren änderte die Ergebnisse nicht.

Verzicht auf Paracetamol könnte sich negativ auswirken

Paracetamol ist derzeit das Analgetikum und Antipyretikum mit der stärksten Empfehlung für die Anwendung in der Schwangerschaft, das weltweit am häufigsten von Schwangeren zur Schmerzbekämpfung und Fiebersenkung eingesetzt wird. Verzichten Schwangere aus Sorge vor möglichen Risiken auf medikamentöse Schmerz- oder Fiebersenkung, erdulden viele unnötig Schmerzen, schreiben die Autoren.

Unbehandelte Schmerzen und Fieber erhöhen das Risiko für Schwangerschaft und Fötus: Vor allem Fieber wurde in Zusammenhang gebracht mit Fehl- und Frühgeburten sowie angeborenen Fehlbildungen.

Die Autoren kritisieren, dass die Politisierung wissenschaftlicher Unsicherheit Schwangere und Ärzte erheblich verunsicherer. Derzeit deute nichts auf ein klinisch relevantes erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern von Schwangeren hin, die Paracetamol gemäß Anwendungsempfehlungen einnehmen.

Diese Einschätzung teilen auch große internationale Fachgesellschaften wie das American College of Obstetricians and Gynecologists und das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, die die Sicherheit von Paracetamol bei angemessener Anwendung weiterhin bekräftigen.