11. Feb. 2026Christian-Albrechts-Universität zu Kiel | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie

Warum Pilze häufiger Krankheitserreger werden könnten

Im Zuge des globalen Wandels und steigender Temperaturen nehmen Pilzinfektionen weltweit zu und bedrohen zunehmend auch die menschliche Gesundheit.

Der bodenlebende Pilz Apiotrichum porosum ist ein Beispiel für eine Art mit hohem pathogenen Potenzial, die sich in naher Zukunft zu einem menschlichen Krankheitserreger entwickeln könnte.
Dr. Marco Guerreiro
Der bodenlebende Pilz Apiotrichum porosum ist ein Beispiel für eine Art mit hohem pathogenen Potenzial: Er ist mit anderen schädlichen Pilzarten verwandt, ist resistent gegen bestimmte pilzhemmende Wirkstoffe und könnte sich daher in naher Zukunft zu einem menschlichen Krankheitserreger entwickeln.

Während viele Pilzarten harmlos sind und wichtige ökologische Funktionen erfüllen, können opportunistische Arten insbesondere bei immungeschwächten Menschen schwere Infektionen verursachen. Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie (MPI-EvolBio) untersuchten, warum bislang harmlose Pilze zu menschlichen Krankheitserregern werden könnten.

Das Team um Professorin Eva Stukenbrock analysierte Pilzarten der Ordnung Trichosporonales, die sowohl harmlose Bodenbewohner als auch für den Menschen gefährliche Arten umfasst. Der Vergleich ihrer Genome zeigte, dass sich pathogene und nicht-pathogene Pilze weniger in ihrer genetischen Ausstattung unterscheiden als in der Effizienz der Proteinproduktion. Besonders krankmachende Arten haben ihren Fettstoffwechsel optimiert, während ihre harmlosen Verwandten vor allem auf kohlenstoffreiche Umweltbedingungen spezialisiert sind.

Diese Optimierung beruht auf einer effizienteren Translation: Bei pathogenen Pilzen passen Codons der mRNA besonders gut zu den verfügbaren tRNA-Molekülen, wodurch Proteine des Fettstoffwechsels schneller hergestellt werden. Da Lipide im menschlichen Körper reichlich vorhanden sind, ermöglicht dies eine rasche Anpassung an diese Umgebung. Laborexperimente bestätigten, dass solche Pilze unter lipidreichen Bedingungen deutlich besser wachsen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Übergang von harmlosen Umweltorganismen zu neuen pilzlichen Krankheitserregern evolutionär leichter ist als bisher angenommen. Angesichts des Klimawandels, wachsender Resistenz gegen Antimykotika und einer zunehmenden Zahl immungeschwächter Menschen steigt damit das Risiko neu auftretender Pilzinfektionen. Ziel zukünftiger Forschung ist es, potenziell gefährliche Arten frühzeitig anhand genomischer Signaturen zu identifizieren.

Originalpublikation:

Marco Alexandre Guerreiro, Andrey Yurkov, Minou Nowrousian, Kirk Broders and Eva H. Stukenbrock (2026): Genomic and physiological signatures of adaptation in pathogenic fungi. Nature Communications. First published: 15 January 2026, https://doi.org/10.1038/s41467-026-68330-6

idw – Informationsdienst Wissenschaft
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