Krebsreport 2025: Fokus auf ältere Krebspatienten
Im Vorfeld des Weltkrebstages am 4. Februar wurde der Österreichische Krebsreport 2025 präsentiert. Der aktuelle Bericht konzentriert sich auf ältere Krebspatienten. Vier Experten erläuterten in einem Pressegespräch, was bei der Vorsorge und Versorgung dieser Patientengruppe besonders zu berücksichtigen ist.

In Österreich erkranken jedes Jahr rund 46.000 Menschen an Krebs, und derzeit leben etwa 440.000 Menschen mit der Diagnose. Bereits heute sind mehr als 60% aller Menschen in Österreich, die eine Krebsdiagnose erhalten, über 65 Jahre alt. Bis 2040 wird dieser Anteil aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter steigen – auf über 75%!
Dies stellt eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Daher wären entsprechende Vorkehrungen bereits jetzt zu treffen, um die gute Versorgungsqualität aufrechterhalten zu können. Das war die einhellige Meinung der Experten bei der Präsentation des Krebsreports. Der Bericht wurde bereits zum fünften Mal von der Österreichischen Krebshilfe und der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie herausgebracht.
Auch ältere Krebspatienten erhalten moderne Therapien
Menschen ab 65 Jahren haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Häufig sind v.a. Brust-, Prostata-, Darm-, Lungen- und Blutkrebs. Sie haben auch eine schlechtere Prognose. Krebs ist jedenfalls eine relevante Erkrankung im Alter, bestätigt Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Krebsreports und medizinische Leiterin der OeGHO. Da sich die Behandlungsleitlinien aber vorwiegend an jungen Patienten orientieren, braucht es Leitlinien und standardisierte Abläufe für ältere. Therapien für ältere Patienten erfordern auch eine genauere Planung und Überwachung. Denn Medikamente werden vorwiegend an jüngeren getestet. Und bei der Diagnose ist zu überprüfen, ob bzw. inwieweit sie überhaupt therapiefit sind. Um mehr Evidenz für diese Altersgruppe zu schaffen, müssen vermehrt ältere Patienten in klinische Studien aufgenommen werden.
Der Krebsreport zeige erfreulicherweise aber auch, dass es in Österreich keinen therapeutischen Nihilismus gegenüber Älteren gibt. Die Versorgung mit innovativen onkologischen Medikamenten bis ins hohe Alter ist gewährleistet, so Doz. Strasser-Weippl. Und auch ein verbessertes Überleben durch moderne Krebstherapien sei bei bestimmten Krebserkrankungen auch für ältere Patienten gegeben. Das heißt, „Abklärung und Therapie von Krebs im Alter zahlen sich auf jeden Fall aus“, betont die Onkologin. Doch um die hohe Qualität in der Versorgung trotz steigender Prävalenz beibehalten zu können, müsse man die besonderen Bedürfnisse alter Menschen in der Gesundheitsplanung medizinisch und organisatorisch besser berücksichtigen.
Besondere Herausforderungen bei der Versorgung älterer Patienten
Denn die meisten älteren Patienten weisen zwei oder mehr – meist internistische – Komorbiditäten auf. Diese betreffen etwa Herz-Kreislauf, Nieren, Stoffwechsel, Lunge etc. Oft kommen auch noch kognitive Einschränkungen hinzu. Dies stellt eine große Herausforderung in der Praxis dar, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der OeGHO.
So ist die Polymedikation ein Problem. Dabei werden zehn und mehr verschiedene Medikamente eingenommen. Nicht unbedingt nötige Medikamente müssen zugunsten von Onkologika abgesetzt werden.
„Besonders in dieser Altersgruppe sollte die gesamte medizinische, funktionelle, soziale und psychische Situation eines Patienten berücksichtigt werden, um therapeutische Entscheidungen individuell anzupassen“, so Prof. Wöll. Und gerade bei alten Menschen ist der Erhalt der Lebensqualität ein ganz wesentlicher Faktor in der Therapieplanung.
Vorsorgeprogramme zu wenig genützt
Auch die Themen Vorsorge und Früherkennung werden im Krebsreport angesprochen. Um die Situation in diesen Bereichen zu verbessern, wäre es wichtig, das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung zu stärken, erklärt Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe.
„Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils muss durch Aufklärung und entsprechende Angebote seitens der Politik noch deutlicher als bisher betont werden“, unterstreicht Prof. Sevelda. Denn durch einen gesunden Lebensstil, für den jeder selbst Sorge tragen muss, könnten 40% aller Krebserkrankungen verhindert und die Zahl an gesunden Lebensjahren erhöht werden. Österreich liegt jedoch, was die gesunden Lebensjahre für Personen im Alter von 65 Jahren betrifft, mit 8,1 Jahren deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 9,8 (Platz 1 belegt Schweden mit 13,9 Jahren).
Die angebotenen Vorsorgeprogramme sind laut Krebsreport zwar vielen Menschen bekannt, werden aber dennoch zu wenig in Anspruch genommen. So kennen zwar 100% der über 60-jährigen Frauen das Mammografie-Screening, es wird aber nur von 72% genützt. Zur Hautkrebsvorsorge gehen überhaupt nur 49% der Frauen und 50% der Männer 60plus. Dabei kennen fast alle (98% der Frauen und 96% der Männer 60plus) die Hautkrebsvorsorge.
Wichtig seien daher altersangepasste Informationskampagnen. Das sollte nicht nur digitale Angebote umfassen, sondern auch analoge in altersgerechter Sprache. Ebenfalls wichtig ist ein niederschwelliger, barrierefreier Zugang, so der Krebshilfe-Präsident.
Allerdings sollte gerade bei älteren Menschen beim Thema Krebsfrüherkennung ein Fokus darauf liegen, welche Untersuchungen individuell sinnvoll sind, um die Lebensqualität und Mobilität der Betroffenen zu erhalten.
Versorgungsstrukturen für die Zukunft
Damit angesichts der steigenden Krebsprävalenz künftig kein medizinischer Kollaps stattfindet, braucht es bereits jetzt entsprechende Maßnahmen zur Bereitstellung ausreichender Versorgungsstrukturen. Ressourcen sparen könne man etwa durch die verstärkte Nutzung von eHealth-Angeboten. Weiters sollten vermehrt Cancer Nurses und interdisziplinäre onkologische und geriatrische Teams zum Einsatz kommen. Zusätzlich sollte man strukturierte geriatrische Assessments etablieren, nennt Prof. Wöll einige wesentliche Faktoren.
„Auf Basis des Krebsreports sollte eine vorausschauende Gesundheitspolitik gestaltet werden, um den Herausforderungen effizient, aber auch menschlich zu begegnen“, bringt es Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrats, auf den Punkt und dankt allen an der Entstehung des Krebsreports Beteiligten für ihre wertvolle Mitarbeit.
Quelle: Pressegespräch „Österreichischer Krebsreport 2025 – Mehr Krebs im Alter: Vorsorge und Versorgung neu denken“, Wien, 20.1.2026
