26. Juni 2023EASL-Kongress 2023

Stuhltransplantation verbessert die Darmbarriere bei schwerer Lebererkrankung

Eine placebokontrollierte Studie zeigt, dass Stuhltransplantation bei Patient:innen mit fortgeschrittener Leberzirrhose unterschiedlicher Genese eine ganze Reihe positiver Effekte haben dürfte. Dysbiose wird reduziert und die bakterielle Translokation verbessert. Dies resultiert unter anderem in weniger Ammoniak im Plasma und verstärkter Ammoniak-Ausscheidung mit dem Stuhl. Ungeachtet der kurzen Beobachtungszeit liefert die Studie auch bereits Hinweise auf eine klinische Wirksamkeit.

Leberzirrhose mit Lebersteatose und chronischer Hepatitis
OGphoto/GettyImages

Im Darm schirmt lediglich eine dünne Epithelschicht den Organismus gegen Bakterien des Darmmikrobioms ab. Unter dieser Schicht befindet sich das mukosale Immunsystem, das die Aufgabe hat, ein ungehindertes Eindringen von Bakterien zu verhindern. Eine empfindliche Balance zwischen Toleranz gegenüber Darmbakterien und Antigenen aus der Nahrung auf der einen und rascher Abwehr pathogener Keime auf der anderen Seite ist ausschlaggebend für die physiologische Funktion der Darmbarriere, erläutert Prof. Dr. Lindsey A Edwards vom King’s College London. Kommt es zur Translokation pathogener Bakterien durch die Darmmukosa, so bildet die Leber die letzte Barriere, die eine systemische und damit lebensbedrohliche Infektion verhindert. Edwards: „Das Problem ist, dass genau diese letzte Barriere bei schweren Lebererkrankungen nicht mehr funktioniert.“  Erschwerend komme hinzu, dass bei Patienten mit Leberzirrhose nicht nur die Diversität des Darmmikrobioms eingeschränkt ist und Pathobionten überrepräsentiert auftreten, sondern dass auch die Effektivität der Darmbarriere ab- und damit die Translokation zunimmt. Die bakterielle Translokation ist wiederum ein Treiber der Zirrhose-assoziierten Immundysfunktion, da die durch die durchlässige Darmmukosa eindringenden Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte zu einer permanenten Überstimulation des Immunsystems führen. Dies erhöht letztlich die Empfänglichkeit gegenüber bakteriellen Infektionen aus dem Darm und damit das Risiko von Multiorganversagen und Tod.

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