17. Juni 2026Literaturangaben auf dem Prüfstand

Erfundene Referenzen nehmen zu

Literaturangaben gelten als Fundament wissen­schaftlicher Glaubwürdigkeit. Doch wie zuverlässig sind die Quellen, auf die sich medizinische Publikationen beziehen? Eine aktuelle Analyse zeigt, warum die Integrität von Referenzen zunehmend in den Fokus der Wissenschaft rückt.

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Die Angabe von Referenzen ermöglicht es, die Evidenz hinter wissenschaftlichen Aussagen nachzuvollziehen und zu überprüfen. Problematisch wird es, wenn zitierte Quellen gar nicht existieren. Wissenschaftler um Prof. Dr. Maxim Topaz von der Columbia University in New York haben sich die Datenlage dazu nun näher angeschaut.

Für ihre Untersuchung analysierten sie Publikationen aus der Open-Access-Sammlung von PubMed Central, die zwischen Januar 2023 und Februar 2026 erschienen waren. Insgesamt umfasste die Auswertung knapp 2,5 Millionen wissenschaftliche Arbeiten mit mehr als 125 Millionen Literaturangaben. Es ließen sich rund 97 Millionen Referenzen überprüfen, die mit einer PubMed-Identifikationsnummer versehen waren.

Mithilfe eines automatisierten Verfahrens verglichen die Forscher die in den Publikationen angegebenen Referenzen mit den entsprechenden Datensätzen in PubMed und Crossref. Bei auffälligen Einträgen erfolgte anschliessend ein Abgleich mit weiteren Datenbanken. Liess sich eine angegebene Publikation in keiner der überprüften Quellen finden, klassifizierten die Autoren die Referenz als erfunden.

Deutlicher Anstieg im Verlauf der letzten Jahre

Auf diese Weise identifizierten Prof. Topaz und Kollegen 4046 erfundene Referenzen in insgesamt 2810 wissenschaftlichen Arbeiten. Die Analyse zeigte einen deutlichen Anstieg im Verlauf der letzten Jahre.

Während im Jahr 2023 etwa eine von 2828 Publikationen mindestens eine erfundene Referenz enthielt, war dies im Jahr 2025 bereits bei einer von 458 Arbeiten der Fall. In den ersten Wochen des Jahres 2026 lag der Anteil sogar bei einer von 277 Publikationen. Die Mehrheit der betroffenen Arbeiten enthielt eine oder zwei erfundene Referenzen, einzelne Veröffentlichungen jedoch deutlich mehr.

Übersichtsarbeiten waren häufiger betroffen als andere Publikationstypen. Die identifizierten Referenzen waren häufig nicht auf den ersten Blick als fehlerhaft erkennbar. Die Angaben waren meist formal korrekt aufgebaut, thematisch passend zum Inhalt der Publikation und häufig real existierenden Forschern zugeordnet. Auch die angegebenen Erscheinungsjahre wirkten plausibel. In einem Beispiel aus dem Jahr 2025 fanden die Autoren in einer Publikation zu ureteroilealen Anastomosentechniken 18 erfundene Referenzen unter insgesamt 30 überprüfbaren Literaturangaben.

"Paper Mills": Manuskripte gegen Bezahlung

Zudem beobachteten die Autoren Muster, die auf Aktivitäten sogenannter "Paper Mills" hindeuten. Das sind Organisationen oder Netzwerke, die wissenschaftliche Manuskripte gegen Bezahlung erstellen und veröffentlichen lassen. Dabei können Daten, Ergebnisse, Autoren oder Referenzen manipuliert oder vollständig erfunden werden, um den Anschein einer legitimen wissenschaftlichen Arbeit zu erzeugen.

Zum Zeitpunkt der Analyse hatten die Verlage bei 98,4% der betroffenen Arbeiten keine Maßnahmen ergriffen. Die Autoren empfehlen daher die Integration automatisierter Referenzprüfungen in redaktionelle Abläufe sowie eine systematischere Erfassung entsprechender Probleme in wissenschaftlichen Datenbanken.