Sprich mit mir
„Warum schreien Sie so?“, fragt mich ein älterer Herr. Er fragt nicht betroffen oder freundlich, sondern in der Art des Menschen, der es gewohnt ist, bedient zu werden und Befehle zu geben. Die Antwort liegt auf der Hand, ich erkläre mich trotzdem. „Sie tragen eine Maske, ich trage eine, zwischen uns ist Plexiglas, hier befinden sich zehn Kunden, und meine Kolleginnen verstehen auch kein Wort mehr. „Dann nehmen Sie die Maske ab, kommen vor das Plexiglas und reden mit mir!“ „Das mache ich ganz sicher erst wieder, wenn die Pandemie wieder vorbei ist“, muss ich nun lachen. An seinem Blick erkenne ich, dass er das alles nicht ernst nimmt.

„Sprich mit mir“, denke ich selber des Öfteren, wenn KundInnen mir wortlos ihre E-Card auf die Tara werfen, in der Annahme, ich wüsste, was sie wollten. Begrüßungsformeln und einleitende Sätze sind derzeit am Aussterben, von „Bitte“ und „Danke“ rede ich gar nicht mehr. „Was darf ich tun?“, ist dann meine Standardfrage. Erstaunt sehen sie mich aus großen Augen an, bis ich ihnen erzähle, was ihre E-Card mittlerweile alles kann. Meist müssen wir dann beide lächeln, manche entschuldigen sich. Es ist eine seltsame Zeit.
