11. Sep. 2017

Notfallversorgung in Österreich

11.09.2017 – Regelmäßig sorgen bestehende oder befürchtete Engpässe in der österreichischen Notfallversorgung für Schlagzeilen. Laut Dr. Roland Steiner, Referent für Notfall- und Katastrophenmedizin in Kärnten, drohe ein „massives Personalloch“.

Neben der steigenden Zahl der (Fehl-)einsätze sei es immer schwieriger, Dienste zu besetzen. Gründe dafür sind laut Steiner vor allem die neue Ausbildungsordnung (ÄAO 2015) und die schlechte Bezahlung freiberuflicher im Vergleich zu spitalsgebundenen NotärtzInnen.

Dr. Michael Lang (Ärzte-Chef Burgenland, ÖÄK-Referent für Notfall- und Katastrophenmedizin), erklärt, dass es in Österreich unterschiedliche Notarztsysteme gibt, wie KH-gebundene Modelle, wo der Notarzt/die Notärztin vom Spital angestellt ist und in Kooperation mit einem Rettungsdienst fährt. Diese Dienste fallen unter das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG). Aber auch freiberufliche oder kombinierte Modelle werden österreichweit umgesetzt.

Organisatorisch als auch medizinisch hält Lang das KH-gebundene Modell für das Beste, da ÄrztInnen, meist AnästhesistInnen oder NotfallmedizinerInnen, im normalen Betrieb mitarbeiten und so medizinisch up-to-date sind. Freiberufliche hätten nur in der Zeit der Einsätze mit der Notarzttätigkeit zu tun. Der große Nachteil sei die Einschränkung der Arbeitszeit durch das KA-AZG. Gemischte Modelle würden helfen. Durch eine am 01.01.2016 in Kraft getretene ASVG-Novelle fallen NotärztInnen, die sowohl im Spital als auch freiberuflich als NotärztInnen tätig sind, aus dem KA-AZG heraus.

Die drohende Personallücke durch die ÄAO 2015 seit das weitaus größere Problem. Da FachärztInnen das Ius practicandi nicht schon nach dem Turnus, sondern erst nach dem Ende ihrer Ausbildung erwerben, dürfen sie davor nicht „Notarzt fahren“. Die Lösung sei laut Steiner ein rascher Beschluss der „Ausbildung Neu für Notärzte“. Das Konzept liege bereits in der Schublade, auch die Ausbildungsinhalte seien fertig. Das BMGF gibt allerdings zu bedenken, dass es für die Umsetzung zunächst gesetzliche Neuregelungen bzw. in der Folge eine Verordnung benötige, sehe einen Beginn der neuen Notärzteausbildung mit 01. Jänner 2018 trotz Nationalratswahl aber realistisch.

Alternativen, wie das Notarztsystem durch Paramedics zu ersetzen, lehnt er ab. Es würde zu einer Verschlechterung der PatientInnenversorgung führen. Statt Paramedics brauche es gut ausgebildete RettungssanitäterInnen. Beim Thema Fehleinsätze spiele die Sensibilität der Zentrale eine Rolle: „schickt sie gleich den Notarzt oder doch vorher einen ausgebildeten Sanitäter“.

Quelle: RED