15. Okt. 2026Austrian Health Report

Frauen häufiger unzufrieden mit dem Gesundheitssystem

Der Austrian Health Report 2026 zeigt deutliche geschlechterspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung. Frauen berichten häufiger von psychischer Belastung und negativen Erfahrungen bei Arztbesuchen.

Sie stellten den Austrian Health Report 2026 vor: v.l.n.r. Thomas Czypionka (IHS), Eva Zeglovits (IFES), Barbara Haid (ÖBVP), Marco Pucci (Sandoz)
Sandoz/Sattlegger
Sie stellten den Austrian Health Report 2026 vor (v.l.n.r.): Thomas Czypionka (IHS), Eva Zeglovits (IFES), Barbara Haid (ÖBVP), Marco Pucci (Sandoz).

Frauen sind mit dem österreichischen Gesundheitssystem deutlich unzufriedener als Männer. Während 56% der Männer mit der Versorgung (sehr) zufrieden sind, sind es bei den Frauen nur 41%. Das zeigt der Austrian Health Report 2026, eine repräsentative Erhebung des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag des Pharmaunternehmens Sandoz. Befragt wurden 1.000 Personen. Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf geschlechterspezifischen Unterschieden in der Gesundheitsversorgung.

Schmerzen nicht ernst genommen

Besonders auffällig sind die Erfahrungen bei ärztlichen Behandlungen. 44% der Frauen geben an, dass ihre Schmerzen zumindest gelegentlich nicht ernst genommen werden. Bei Männern sind es 23%. Zudem berichten 36% der Frauen, dass ihre Symptome als psychisch oder psychosomatisch abgetan wurden, gegenüber 15% der Männer. Frauen bewerten ihre psychische Gesundheit auch seltener als sehr gut. Sie übernehmen häufiger die Organisation von Arztterminen, Vorsorge und Pflege innerhalb der Familie.

Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), sieht darin eine erhebliche zusätzliche Belastung. „Die Mehrfachbelastung von Frauen hat starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der gesamten weiblichen Bevölkerung.“ Zugleich müsse die medizinische Forschung geschlechterspezifische Aspekte stärker berücksichtigen und Frauen in der Versorgung gezielt mitdenken.

Potenzial, Ressourcen besser einzusetzen

Dr. Thomas Czypionka, Leiter der Forschungsgruppe Health Systems and Health Policy am Institut für Höhere Studien (IHS), unterstreicht die Folgen für das Gesundheitssystem. „Gerade, wenn geschlechterspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung vernachlässigt werden, sind die Folgen für die Gesundheit und das Gesundheitswesen groß.“ Es gebe zugleich Potenzial, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Bevölkerung besser zu versorgen.

Dr. Eva Zeglovits, Geschäftsführerin des IFES, resümiert: „Mit dem Austrian Health Report haben wir in diesem Jahr ausführliche und belastbare Daten zur Gender Health in Österreich.“ Die Ergebnisse zeigten, wie unterschiedlich Männer und Frauen die Versorgung erleben und wo Handlungsbedarf bestehe.

Marco Pucci, Country President von Sandoz Österreich, verweist ebenfalls auf die Notwendigkeit eines gleichberechtigten Zugangs. „Gleichberechtigter Zugang zu Gesundheit bedeutet mehr als die Verfügbarkeit von leistbaren und sicheren Medikamenten.“ Der Report solle eine Grundlage für Verbesserungen liefern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Sandoz die Erhebung in Auftrag gegeben hat.

Strukturelle Probleme

Über die geschlechterspezifischen Unterschiede hinaus zeigt die Befragung eine breite Unzufriedenheit mit strukturellen Problemen. 57% kritisieren lange Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen. 82% sind der Ansicht, dass Menschen mit ausreichenden finanziellen Mitteln schneller zu einer Behandlung kommen. Ebenso viele lehnen Einsparungen in der Gesundheitsversorgung ab. 89% sprechen sich zudem dafür aus, dass österreichische Krankenkassen in Europa produzierte Medikamente bevorzugen sollen.

Der Austrian Health Report wird seit 2022 jährlich vom IFES im Auftrag von Sandoz erstellt. Er untersucht Einstellungen und Erfahrungen der österreichischen Bevölkerung rund um Gesundheit und Gesundheitsversorgung.