Basisausbildung: Medizinabsolventen, bitte warten!
Derzeit bestehen für Absolventen des Medizinstudiums lange Wartezeiten bei den Basisausbildungsplätzen. Das ist für die Jungmediziner frustrierend und befeuert den bereits bestehenden Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitssystem.

Dieser Mangel sei „ein hochproblematischer Flaschenhals“ und führe zu einem Versorgungsnotstand, warnte OMR Dr. Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, im Rahmen einer Pressekonferenz. Da die Babyboomer-Generation nach und nach in Pension geht, worauf die Ärztekammer bereits seit 15 Jahren hinweist, sei ärztlicher Nachwuchs im Gesundheitssystem dringend erforderlich. Ärzte fehlen sowohl im niedergelassenen Bereich – hier gibt es 1300 offene Kassenstellen – als auch zunehmend in den Spitälern. Es sei daher dringend notwendig, den Spitälern ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie die fehlenden Ausbildungsplätze anbieten können, so Dr. Steinhart.
Investition in Ausbildungsplätze nötig
„Der Ärztemangel wird beklagt, aber gleichzeitig fehlt es an Ausbildungsplätzen“, kritisierte auch Dr. Daniel von Langen, ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ), die aktuelle Situation. Die Wartezeiten für die Basisausbildung, die neun Monate dauert und direkt an das Medizinstudium anschließen sollte, betragen für Absolventen des Medizinstudiums derzeit bis zu 20 Monate (am längsten in Wien, etwas kürzer in den Bundesländern). Mit dem Warten nimmt man aber den Jungmedizinern die Perspektive. Sie sind hochmotiviert, können aber nach Beendigung des Medizinstudiums ihre Ausbildung nicht fortsetzen. Eine Investition in die Basisausbildung und damit in die Zukunft sei daher dringend nötig. Dabei sei es egal, „aus welchem Topf das Geld kommt“, erklärte Dr. von Langen.
Wartezeiten führen zu Abwanderung und Ärztemangel
Anant Thind, Medizinstudent und 2. Stellvertretender Vorsitzender der ÖH Med Wien, beleuchtete das Problem aus Studentensicht. Viele seiner Studienkollegen würden das Medizinstudium in Kürze abschließen und hätten sich rechtzeitig um einen Platz für die Basisausbildung gekümmert. Doch die meisten erhielten eine Absage, da bis Ende 2027 alle Spitäler mehr oder weniger ausgebucht seien. „Das führt zu Frustration und ist für viele ein Grund, ins Ausland, meist nach Deutschland oder in die Schweiz zu gehen, wo mit entsprechenden Stellen geworben wird“, erläuterte Thind.
Auch Dr. Kim Haas, Obmann-Stellvertreterin der BKAÄ und Obfrau der Bundessektion Turnusärzte, beklagte die Lage der jungen Mediziner. „Die Absolventen hängen in der Luft und sind verzweifelt.“ Das „Loch“ in der Ausbildung werde immer größer und der Ärztemangel „immer gravierender“. Die Dienstpläne in den Spitälern seien oft schwer zu besetzen. Das führe zu längeren Arbeitszeiten und noch größerem Druck für die vorhandenen Ärzten.
Auch eine Erhöhung der Studienplätze würde das Problem nicht lösen. Denn dann würde man noch mehr Basisausbildungsplätze brauchen. Es würden noch mehr Absolventen ins Ausland abwandern. Man hätte dann umsonst in das österreichische System investiert, erklärten Dr. Steinhart und Dr. von Langen unisono. Gleichzeitig lehnt der Ärztekammer-Präsident einen von der Politik immer wieder geforderten Solidarbeitrag der Jungärzte, nämlich die Verpflichtung, für eine bestimmte Zeit für das öffentliche System zu arbeiten, kategorisch ab.
Mehr Aufmerksamkeit und Zeit für die Ausbildung
Insgesamt müssten österreichweit rund 1000 neue Ausbildungsplätze (über 600 davon in Wien) geschaffen werden, damit alle Absolventen sofort in die Basisausbildung einsteigen könnten. Dieses Investment ist nötig, um eine gute Ausbildung für alle Jungärzte zu ermöglichen. „Ausbildung ist unser höchstes Gut“, betonte Dr. Haas. Die Basisausbildung selbst sei „das Fundament“. Es biete den Absolventen die Möglichkeit, einen großen Überblick über die ärztlichen Aufgaben und Tätigkeiten zu bekommen. Und es vermittle Respekt für die anderen Abteilungen, mit denen man später zusammenarbeiten wird. Ausbildung müsse in den Spitälern generell ernster genommen und mehr Zeit dafür erübrigt werden. Die Bundeskurie angestellte Ärzte fordert bereits seit Jahren an jeder Abteilung, an der ausgebildet wird, mindestens eine Ausbildungsoberarzt. Flächendeckend ist das in Österreich aber noch nicht umgesetzt.
Geplante Änderungen bei KPJ und Basisausbildung
Manche Politiker würden die Basisausbildung überhaupt gerne abschaffen. Für den 1. Juni sind bereits Änderungen geplant. Konkret sollen Medizinabsolventen das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ), das im letzten Studienjahr in Kliniken und Lehrkrankenhäusern zu absolvieren ist, auf die Basisausbildung im Spital anrechnen können. Doch davor warnt die Wiener Ärztekammer in einer Presseaussendung vom 12. Mai. „Intention der Änderungen ist offenbar, die Facharztausbildung für Allgemein- und Familienmedizin zu beschleunigen. Das ist aber zu kurz gedacht“, erklärt Dr. Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien.
Diese Änderung wird von der Wiener Ärztekammer jedoch strikt abgelehnt. Denn gerade zu Beginn der Ausbildung im Spital sei es wichtig, einen Einblick in die Abläufe im Spital zu bekommen und sich umfassendes Wissen anzueignen. Unklar sei außerdem, welche Teile des KPJ auf die Basisausbildung angerechnet werden können. Das KPJ diene primär dem Erwerb praktischer Erfahrungen im Rahmen des Studiums unter Anleitung, während die Basisausbildung bereits mit einer weitergehenden Einbindung in die ärztliche Tätigkeit und einer schrittweisen Übernahme von Verantwortung verbunden ist, so Dr. Maldonado-González. „Das KPJ ist ein integraler Bestandteil des Studiums und Voraussetzung für den Beginn der Basisausbildung. Eine Anrechnung auf die Basisausbildung wird schwierig nachvollziehbar sein, da es unterschiedliche Voraussetzungen gibt.“
Quelle: PK und Aussendung der ÖÄK „Ärztemangel? Jobgarantie statt Arbeitsverpflichtung für Jungärzte!“, Wien, Mai 2026
