7. Mai 2026Umfrage der Volkshilfe

Pflege: Viele Menschen blicken mit Sorge in die Zukunft

Im Vorfeld Internationalen Tages der Pflege am 12. Mai präsentierte die Volkshilfe die Ergebnisse des Sozialbarometer Pflege 2026, einer österreichweiten Umfrage, die die Volkshilfe mit dem Institut Foresight einmal im Jahr durchführt. Daraus geht hervor, dass mehr als die Hälfte der Befragten besorgt ist in Hinblick auf ihren zukünftigen Pflegebedarf oder jenen von Angehörigen. Und zwei Drittel sehen einen verstärkten Handlungsbedarf der Politik im Pflegebereich.

Young caregiver helping senior woman to stand up at home
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Der Großteil der Menschen mit Pflegebedarf wird hierzulande zu Hause betreut, meist von Angehörigen, oft auch in Kooperation mit mobilen Pflegediensten. Sowohl die Fachkräfte als auch die pflegenden Angehörigen sind durch Zeitdruck und Personalmangel stark gefordert. Sie stoßen daher häufig an ihre Grenzen. Vor allem bei dementen Patienten besteht ein sehr hoher Betreuungsbedarf.

Politik ist gefordert

Gleichzeitig ist die finanzielle Belastung hoch, durch Selbstbehalte für Medikamente und Hilfsmittel, Wohnraumanpassungen und die in manchen Fällen zusätzlich benötigte 24-Stunden-Betreuung. So umreißt Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich, die herausfordernde Situation vieler Betroffener in Österreich. „Wenn bei der Pflege weiterhin nicht gehandelt wird, werden immer mehr pflegebedürftige Menschen im Alter auf sich allein gestellt sein“, warnt er vor einem drohenden Ausnahmezustand.

Das deckt sich auch mit der Sichtweise der Bevölkerung. 67% der Befragten sehen einen verstärkten Handlungsbedarf seitens der Politik, um die Qualität und Leistbarkeit der Pflege in Österreich auch in Zukunft sicherzustellen, wie Teresa Millner-Kurzbauer, Bereichsleitung Pflege bei der Volkshilfe, erläutert. Vor fünf Jahren waren es noch 63%. Hingegen sind nur 22% der Ansicht, dass die Regierung genug dafür tut. Diese negative Einschätzung zeigt sich quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen.

Das Thema Pflegebedarf bereitet vielen Sorge

Anlass zur Sorge ist für 55% der Befragten der Gedanke an den zukünftigen eigenen Pflegebedarf oder den eines Angehörigen. Noch um einiges höher ist die Rate bei Menschen mit einem geringen Haushaltseinkommen (74%) und bei älteren Personen ab 65 Jahre (70%). Menschen mit einem höheren Einkommen machen sich hier weniger Sorgen (54%).

„Das heißt, wir haben nicht nur eine 2-Klassen-Medizin, sondern auch eine 2-Klassen-Pflege. Was wir brauchen, ist aber eine leistbare Pflege für alle“, erklärt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.

Angesichts des Sparbudgets sorgen sich sehr viele Menschen (71% der Befragten) auch um den Sozialstaat im Allgemeinen. Besonders verbreitet ist die Sorge auch hier unter den Befragten mit geringem Haushaltseinkommen und bei älteren Menschen mit jeweils 82%.

Großer Wunsch nach Vereinheitlichung

Zudem spricht sich die überwiegende Mehrheit (82%) für eine Vereinheitlichung des Pflege- und Betreuungsangebots aus. Derzeit ist dieses aufgrund der Zuständigkeit der Länder stark vom Wohnort abhängig („Fleckerlteppich“). „Wir brauchen einheitliche Finanzierungsmodelle und auch einheitliche Organisationsformen und -strukturen. Derzeit sind sie in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich“, kritisiert Fenninger.

Dringender Appell an die Politik

„Die Befunde der Umfrage sind dramatisch und erschreckend, denn in jeder Familie wird zumindest eine Person pflegebedürftig. Aber es gibt derzeit keine Pflegesicherheit“, so Fenninger. Von der Politik fordert er daher eine nachhaltige Pflegefinanzierung, den Ausbau von mobilen Diensten und Tageszentren, eine Reform des Pflegegeldes sowie verbindliche Qualitätsstandards.

Außerdem brauche es mehr Unterstützung für pflegende Angehörige und eine bessere Verzahnung an den Schnittstellen zwischen Pflege- und Gesundheitssystem. Bund und Länder sind aufgefordert, „nicht nur Lippenbekenntnisse zu machen, sondern rasch zu handeln, um das Pflegesystem für alle Menschen in Österreich in naher Zukunft leistbar, zugänglich und qualitativ hochwertig zu machen“.

Quelle: Pressekonferenz der Volkshilfe-Umfrage zu Pflegethemen, Wien, 6.5.2026