18. Feb. 2026Hilfsorganisationen deponieren Reformwünsche

24-Stunden-Betreuung soll besser gefördert werden

Der Großteil der Pflegegeldbezieher in Österreich (85%) wird zu Hause versorgt. Jeder Fünfte davon (18,6%) nimmt die 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. Doch es gibt viele Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten im System, mahnen drei große Hilfsorganisationen.

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Hilfswerk Österreich

Das Thema 24-Stunden-Betreuung soll schwerpunktmäßig bei der nächsten Sitzung der Pflegeentwicklungskommission, in der Bund, Länder und Gemeinden vertreten sind, Ende dieser Woche behandelt werden. Dabei soll es u.a. die Weiterentwicklung des derzeit noch freiwilligen Qualitätszertifikats „ÖQZ-24“ gehen.

Im Vorfeld haben die drei Hilfsorganisationen Hilfswerk, Caritas und Malteser Care, die verschiedene Pflegedienstleistungen, so auch die Vermittlung von 24-Stunden-Betreuerinnen, anbieten, ihre Forderungen an die Politik auf einer Pressekonferenz präsentiert.

„Heiße Kartoffel, die keiner angreifen will“

Das Thema 24-Stunden-Betreuung sei offenbar eine „heiße Kartoffel für die Politik“: Man wisse, dass man sie braucht, „aber keiner will sie angreifen“, erklärte Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin Hilfswerk Österreich, einleitend. Diese „Scheinheiligkeit“ müsse endlich aufhören, denn „wir brauchen diese Art der Betreuung“. Man dürfe sie nicht durch weitere Untätigkeit wieder in den Schwarzmarkt abdrängen (wie dies bis zur Legalisierung im Jahr 2007 der Fall war). Stattdessen müsse man sie zukunftsfähig aufstellen – und zwar in transparenter, qualitätsgesicherter und gut geförderter Form.

Forderungen der Hilfsorganisationen

Derzeit nehmen rund 30.000 Personen in Österreich die 24-Stunden-Betreuung in Anspruch, doch immer weniger Familien können sie sich auch leisten. Denn die Förderungen für diese Säule im Betreuungssystem für Pflegebedürftige, um die man ab Pflegestufe 3 ansuchen kann, wurden über Jahre nicht an die Inflation angepasst. Sie sind daher für viele nicht (mehr) erschwinglich.

Die Hilfsorganisationen fordern daher

  • eine Erhöhung der Förderung von derzeit 800 auf 1600 Euro (plus Valorisierung),
  • eine Erhöhung der Einkommensgrenze, ab der man eine solche Förderung überhaupt erhalten kann, von 2500 auf 4050 Euro (plus Valorisierung) sowie
  • eine zusätzliche Unterstützung für die Bezieher von niedrigen Einkommen (derzeit in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich).

Ob die erhöhte Förderung direkt an die Betroffenen ausbezahlt werde oder ob zumindest teilweise in die Refinanzierung einer begleitenden Qualitätssicherung durch diplomierte Pflegefachkräfte oder in eine bessere soziale Absicherung der Betreuerinnen zu investieren sei, sei noch zu diskutieren, hieß es.

System für viele nicht (mehr) leistbar

Vom Sozialministerium wird die 24-Stunden-Betreuung zwar vielfach als „bedeutsames Instrumentarium im Rahmen der Betreuung daheim“ bezeichnet. Dies spiegelt sich aber nicht in der Realität wider, da das System von der öffentlichen Hand eben nicht ausreichend gefördert sei, wie Helmut Lutz, Geschäftsführer Malteser Care, kritisierte.

Durch Pflegegeld, die Förderung von 800 Euro und die Pension oder sonstiges Einkommen könnten die direkten Kosten für die 24-Stunden-Betreuung von rund 3500 Euro/Monat zwar in vielen Fällen gedeckt werden. Allerdings kämen dazu noch die Lebenshaltungskosten (Wohnen, Energie, Lebensmittel, Selbstbehalte etc.).

Dazu kommt, dass die Fachpflege, die in manchen Fällen zusätzlich zur 24-Stunden-Betreuung herangezogen werden muss, um die Pflegebedürftigen adäquat und qualitätsgesichert zu versorgen, von der öffentlichen Hand nicht abgegolten wird. Auch das müssen die Familien selbst bezahlen. Sie tragen also im Falle der Pflege daheim ein hohes finanzielles Risiko. Dieses System ist für den Einzelnen teuer und ungerecht, es bestraft die Menschen, die zu Hause bleiben wollen.

Wechsel ins (teure) Pflegeheim als Ausweg?

Denn ein Wechsel ins Pflegeheim kommt für die Betroffenen und ihre Familien billiger. Hier werden 80% der Pension der pflegebedürftigen Person eingezogen. Die restlichen Kosten übernehmen die Länder. Diese Förderlogik, die die Volkswirtschaft ein Vielfaches koste, treibe viele Menschen ins Heim, obwohl sie lieber in den eigenen vier Wänden versorgt wären.

Sieht man sich die Kosten für die einzelnen Betreuungsformen (nämlich stationäre Einrichtungen wie Pflegeheime, Mobile Dienste und die 24-Stunden-Betreuung) an, so sind diese in den Heimen mit Abstand am höchsten:

  • 2,8 Mrd Euro jährliche Nettoausgaben der öffentlichen Hand fallen pro Jahr für stationäre Einrichtungen an. (Dabei werden nur 15% der Pflegegeldbezieher dort versorgt.)
  • 615 Mio. Euro fallen für Mobile Dienste an und
  • 222 Mio. Euro für die 24-Stunden-Betreuung.

Pro Kopf und Jahr sind das Ausgaben von

  • 38.700 Euro für Heime,
  • 9980 Euro für die 24-Stunden-Betreuung und
  • 6300 Euro für Mobile Dienste.

Würden alle Betreuungspflichtigen aus der 24-Stunden-Betreuung in stationäre Einrichtungen wechseln, würden die Kosten für die Volkswirtschaft um 890 Mio. Euro pro Jahr steigen (von derzeit 2,8 Mrd. auf 3,7 Mrd. Euro) und man bräuchte 15.400 Pflegekräfte mehr (insgesamt 64.332 statt derzeit 48.909). Dabei besteht schon heute ein großer Mangel an Pflegekräften, der nicht gedeckt werden kann.

Politik ist zum Handeln aufgefordert

Es gibt also eine große Schieflage im System, gegen die es anzukämpfen gilt, sind sich die drei Geschäftsführer einig. Abgesehen von den hohen öffentlichen Ausgaben im stationären Bereich und den relativ niedrigen Förderungen für die 24-Stunden-Betreuung stehe das derzeit praktizierte Vorgehen auch im Gegensatz zu dem angestrebten Gesundheitsziel „mobil vor stationär“, ergänzte Anna Parr, Generalsekretärin Caritas Österreich. Die Politik sollte das (auch volkswirtschaftliche) Potenzial der 24-Stunden-Betreuung sehen. Und sie sollte entschiedene Schritte in diese Richtung setzen, wünschen sich die Hilfsorganisationen – „die Entscheidungsträger müssen jetzt handeln!“.

Quelle: Pressekonferenz, Wien, 17.2.2026